Inhalt

Digitale Transformation

Ganz klar: der große „Gewinner“ der Corona Krise ist die Digitalisierung. Obwohl unsere Gesellschaft und unser Alltagsleben in den letzten Jahren zunehmen digitaler wurden, hat die Corona Krise der Digitalisierung einen enormen Push verliehen, so dass vieles schneller, besser und effizienter umgesetzt wurde. Laut einer Umfrage des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel (BEVH) gab jeder Zweite an, aufgrund der Erfahrungen in der Pandemie künftig mehr online Bestellungen zu tätigen.

Händler haben zunehmend festgestellt, dass Investitionen in digitale Maßnahmen sich für sie lohnen. Der E-Commerce oder Online-Handel bringt natürlich für das klassische Ladengeschäft einige Herausforderungen, öffnet aber auch neue Wege. Während der Lockdowns und vielen Einschränkungen, haben vor allem Konzepte wie „Click & Collect“, kontaktloses Bezahlen oder Multi-Channel Systeme enorm an Wert gewonnen.

Vor allem Lösungen wie Click & Collect, die Kunden erlauben ihre Online-Bestellung im Laden abzuholen, werden auch 2021 zu etablierten Abholpunkten. Dies folgt dem sogenannten BOPIS-Prinzip (buy online, pick up in-store) und hilft dem stationären Handel damit auch weiterhin ein wichtiger Faktor in der Logistikkette zu bleiben. Die Verknüpfung von Online- und Offlinehandel wird durch digitale Konzepte, die wir bereits jetzt miterleben und aktiv durch unser Konsumverhalten prägen, auch weiterhin enorm ansteigen.

Angetrieben von den Lockdown-Folgen der Covid-19 Pandemie, haben viele Händler vor allem Omnichannel-Konzepte getestet.

Eine Verbraucherumfrage von Accenture (2020) bestätigt diesen Trend und zeigt, dass eine Mehrheit der Verbraucher auch in Zukunft verstärkt Dienste wie Hauszustellung, Click & Collect oder das Einkaufen über Social-Media-Plattformen nutzen wollen. Das Prinzip des Click & Collect erscheint vor allem für jüngere Generationen attraktiv: In einer Umfrage gaben 11 Prozent der Befragten an, Click & Collect seit der Corona-Krise genutzt zu haben. Bei den Jüngeren ist dieser Prozentsatz noch höher. Der Reiz solcher Systeme liegt nahe: während der Lockdowns möchte man schnell das einkaufen können was man braucht und wofür man üblicherweise sonst einfach in den Laden gegangen wäre.

Die Studie zeigt auch, dass Händler bei Kunden mit schnellem, kostenlosem Versand und lokalen Lieferungen punkten können. Im Gegensatz zu den negativ gesehenen Umständen wie langen Lieferzeiten, extra Versandkosten und Artikel, die nicht auf Lager sind. Besonders bei jüngeren Kunden sind der schnelle Versand und eine kurze Lieferzeit sehr gefragt.

Die Online-Einkäufe zahlt man dann natürlich bequem via Internet, ohne nerviges Bargeld. Daher hat sich auch während der Pandemie gezwungenermaßen das bargeldlose Zahlen als Mittel stärker etabliert. War man im Handel bislang noch eher zaghaft diese Methode konsequent einzuführen, wurde dies nicht zuletzt aufgrund der Covid-19 Pandemie– schneller als von vielen erwartet – geändert und der gesamte Bezahlprozess hat sich zunehmend weg vom Bargeld hin zur Kartenzahlung entwickelt, auch im Store.

Regional über Global

Lieferengpässe und die Abhängigkeit von internationalen Produzenten sind in Corona Zeiten oft eine Herausforderung. Dies hat vor allem bei Kunden aber auch bei Händlern einen stärkeren Push zur Regionalität hervorgebracht. Eine Umfrage ergab, dass 23 Prozent der Kunden während der Corona-Pandemie bei kleineren stationären Händlern eingekauft haben umso das lokale Unternehmertum zu unterstützen, gute Kundenbetreuung zu honorieren und ein persönlicheres Einkaufserlebnis zu erfahren.

Dank Empfehlungen von Familienangehörigen, Nachbarn oder Freunden und vielen Initiativen auf Social Media, wurden regionale und lokale Händler während der Krise stark in den Vordergrund gestellt, um ein Zeichen der Unterstützung der lokalen Händler zu setzen und internationalen Lieferketten und Unternehmensriesen etwas entgegen zu schieben. Eine Verbraucherumfrage von Accenture (2020) unterstreicht dies: Über die Hälfte aller Befragten haben in lokalen Geschäften und lokale Produkte aus der Region eingekauft. Rund 80 Prozent planen, dies auch nach dem Ende der Pandemie fortzuführen

Paradigmenwechsel

Auch der oft prophezeite Paradigmenwechsel im Hinblick auf die Nachhaltigkeitsfrage, den man im Handel schon länger verfolgen konnte (und über den wir auch öfters berichtet haben), ist durch Corona bestärkt worden. Ausgelöst durch die Klimabewegung und die Thematik um Greta Thunberg, sind sich immer mehr Verbraucher sozialer, kultureller und ökologischer Probleme bewusst, was sich auch in ihrem Konsumverhalten widerspiegelt. Es wird achtsamer und kostenbewusster eingekauft, die Nachfrage nach lokalen und nachhaltigen Marken steigt. Dieser Trend wird uns auch 2021 weiter begleiten. Viele Verbraucher nutzen zudem die pandemiebedingte Pause, um über ihren eigenen Konsum nachzudenken.

Wie die Generation Z einkauft

Eine Studie der Kommunikationsagentur Fleishman-Hillard zur Generation Z zeigt neben einem erheblichen Verantwortungsbewusstsein aber auch einen bestimmten Hang zum Hedonismus und zur Ich-Bezogenheit. Gerade die jüngere Generation, die die Käuferschicht von morgen repräsentiert und damit also zukünftige Trends prägen wird, verbindet Nachhaltigkeit mit hohen (individuellen) Ansprüchen an das Angebot. Dies geschieht auch im Einklang mit einem größeren Bewusstsein zur Lebensmittelverschwendung, was einhergeht mit umweltfreundlicheren, ethisch korrekten oder nachhaltigeren Einkäufen, vor allem bei der jüngeren Generation. Trends wie Secondhand-Konzepte oder Abonnementmodelle steigen kontinuierlich. Der Nutzen eines Produktes spielt eine wichtigere Rolle als der eigentliche Besitz. Es bleibt daher spannend, ob dies auch nach Lockdown und Pandemie Krise weitergeht.

Doch auch das Verantwortungsbewusstsein mancher Händler und Marken hat in der Krise zugenommen. Aufgrund geschlossener Geschäfte und verändertem Kundenverhalten mussten viele Unternehmen nach Alternativen suchen und konnten damit aber gleichzeitig auch Menschen in der Krise helfen. So hat zum Beispiel der Textilienhersteller Wolford angefangen Mundschutzmasken herzustellen, und der Autobauer Fiat Chrysler sowie das Modeunternehmen Prada produzieren Schutzartikel für den Gesundheitsbereich. Nun plant auch H&M, Schutzkleidung für das Gesundheitspersonal anzufertigen und dann zu spenden. Auch Kräuterlikör Produzent Jägermeister hilft: das Unternehmen liefert Alkohol an ein Klinikum. Henkell Freixenet wiederum spendet reinen Alkohol, den das pharmazeutisch-chemische Unternehmen Merck nun verwendet um Desinfektionsmittel herzustellen. Innovation at its best.