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TikTok

24. August 2020, Editorial

Selbst wenn TikTok keine Plattform wäre, wäre es ein wichtiger Einflussfaktor. Selbst sein Instagram-Konto hat über 26 Millionen Anhänger. So beeindruckend das auch sein mag, es verblasst im Vergleich zu den über 800 Millionen Nutzern, die die App derzeit hat. Tendenz steigend und das trotz der Kritik am Datenschutz von TikTok.

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Was diese von anderen Apps unterscheidet, ist die äußerst ansprechende und intuitive Art und Weise, Videoinhalte zu erstellen.
TikTok wurde von einer chinesischen Firma für künstliche Intelligenz erschaffen, nicht von einem sozialen Mediennetzwerk. Das könnte die Theorie unterstützen, dass es am Ende des Tages die Menschen sind, die Marken und Trends machen (oder brechen).

Die Covid19 - Quarantäne brachte TikTok als Quelle der Unterhaltung und "etwas zu tun" ins Rampenlicht.

Über vierzig Prozent der TikTokers sind zwischen 16 und 24 Jahre alt, womit dies einer der jüngsten Online-Räume ist. Natürlich wird hier der Selbstausdruck zur coolen Währung. Auf TikTok wurde vor allem durch ein virales Marketing und Influencer-Marketing aufmerksam gemacht. Zusätzlich erzeugen Internet-Challenges und Clips durch entsprechende Hashtags weitere Aufmerksamkeit und wurden teilweise zu Memes, die über TikTok hinaus bekannt sind. Das gilt besonders für die Bereiche Mode, Beauty und Musik. Die App bestimmt sogar mit, wer in den Charts landet.

Gehen die Songs einmal viral, beginnen Nutzerinnen und Nutzer sie auch außerhalb der Video-App zu hören. Bestes Beispiel hierfür ist „Old Town Road“ von Rapper Lil Nas X. Der Song gilt als der erste TikTok-Hit der Geschichte, schließlich blieb er letztes Jahr 19 Wochen lang auf Platz 1 der US-Billboard-Charts und stellte damit einen neuen Rekord auf. Auch in Österreich war die Nummer an der Spitze der Charts. Und die Rapperin und Sängerin Doja Cat bedankte sich bei der Teenagerin Haley Sharpe, die den viralen Tiktok-Tanz zu deren Song Say So erfand und engagierte sie kurzerhand für das Musikvideo.

Die Musiker "The Weeknd" machen vor wie es gehen kann

Der Einfluss der umstrittenen Video-App auf die Musikindustrie wird also immer größer und beeinflusst mittlerweile sogar die Art, wie Popsongs geschrieben und produziert werden. Denn die Videos benötigen, ob ihrer Kürze, eine spezielle Dramaturgie. Erst letzte Woche veranstaltete der The Weeknd (Blinding Lights) ein Augmented-Reality-Konzert nur auf TikTok. Damit war der Künstler auf die jüngste Welle der Augmented-Reality-Konzerte, die in letzter Zeit die Musikindustrie überschwemmt haben, aufgesprungen und konnte so ein neues „Musikerlebnis“ präsentieren.

Die Show wurde aber auch für politische Zwecke genutzt. Und zwar um Spenden für die Equal Justice Initiative zu sammeln. Die Fans konnten direkt in der App spenden, bevor die Show ausgestrahlt wurde, TikTok verdoppelte. Der Erlös für exklusive Merchandise-Artikel, die für das Konzert warben, ging ebenfalls an einen wohltätigen Zweck.

Dabei sind TikTok und The Weeknd keine Unbekannten: Der Künstler hatte bereits mehrere virale Hits, die von der App angetrieben wurden, insbesondere „Blinding Lights“, eine der meistverkauften Singles des Jahres 2020. Dieser Song wurde in über 1,5 Millionen TikTok-Videos gezeigt, vor allem dank eines Tanztrends, und führte die Rolling Stone Top 100 Songs-Charts an. The Weeknd’s After Hours“ war auch das meistverkaufte Album der ersten Hälfte des Jahres 2020 mit 1,3 Millionen verkauften Alben in den USA.

Wenn ein Lied Erfolg auf der Plattform hat und viel genutzt wird, steigen auch die Streaming-Zahlen auf anderen Plattformen wie Spotify – wo es sogar eine Playlist gibt, mit den größten viralen TikTok-Hits. Auch US-Rapper Drake hat den Wert der App schnell erkannt und den Song „Toosie Slide“ released, der auffällig „tiktokig“ ist. Der Refrain ist praktisch eine Anleitung zu einem Tanz:

Got a dance, but it’s really on some street shit
I’ma show you how to get it

It go, right foot up, left foot slide
Left foot up, right foot slide

 

Er lag damit auf Platz 2 der 100 Bilboard Charts, knapp hinter the Weeknd.

In Österreich muss man zwar noch nach aktiven TikTokerinnen aus der Musikszene suchen – Caesar Sampson und Mavi Phoenix wagen da gerade erste Gehversuche – aber ein Ende des Hypes ist vorerst nicht in Sicht. Sie ist gekommen, um zu bleiben.

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