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Tief durchatmen

21. Dezember 2019, Editorial

Wir richten uns auf. Kommen hier in diesem Moment an. Wir lassen alles los und richten unsere volle Aufmerksamkeit auf unseren Atem. Wenn ein Gedanke kommt, nehmen wir ihn wahr, lassen ihn ziehen und richten unsere Aufmerksamkeit zurück auf den Atem.

Thema:

Achtsamkeit
Mindfulness
Mitarbeiterführung
Trainings

Mindfulness

Achtsamkeit nennt man das. Und die zielt darauf ab im Hier und Jetzt zu leben, das bedeutet, dem einen Moment seine ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Und zwar nicht irgendwann, sondern eben jetzt. Ein Beispiel: Wissen Sie noch wie Ihnen der erste Kaffee heute Morgen geschmeckt hat? Nein? Bei den meisten Menschen geht in der Früh schon der Autopilot an. Dadurch sind wir nicht bei dem, was wir gerade tun. Da kommt die Achtsamkeit ins Spiel. Spezielle Übungen und Trainings sollen dafür sorgen das Gedankenkarussell zu stoppen, mehr Gelassenheit zu bekommen. Das hilft beim Schlange stehen an der Kasse, genauso wie im stressigen Joballtag.

Unternehmen finden Gefallen an Achtsamkeitsmethoden, die Mitarbeiter gelassener machen – und produktiver.

Beim Weltkonzern SAP ist Mindfulness Top-Management Aufgabe. Dafür hat das Unternehmen sogar einen Hauptverantwortlichen bestimmt. Peter Bostelmann ist Chief Mindfulness Officer des Walldorfer Software-Giganten. Er sorgt dafür, dass die Mitarbeiter ein zweitägiges Achtsamkeits-Training durchlaufen, das „Search inside Yourself“ heißt. Das Unternehmen und die Mitarbeiter sollen dadurch achtsamer mit sich selbst und anderen umgehen lernen. Jeden Tag werden in Walldorf halbstündige Meditationen angeleitet. Mitarbeiter können schweigend an „Mindful Lunches“ teilnehmen. Inzwischen hat sich das Programm etabliert, die Wartezeit für Interessierte beträgt ein Jahr.

Auch im Wettbewerb um gut qualifizierte Arbeitskräfte sind solche Angebote mittlerweile ein wichtiges Argument, um Talente anzulocken Viele setzen mehrwöchige Trainings oder Workshops im Grünen ein, um Mitarbeitern erstmal den Zugang zu sich selbst zu ermöglichen. Vereinfacht gesagt, in sich hineinzuspüren und mitzubekommen, was im Inneren und Äußeren passiert. Und zwar auf eine offene, nicht wertende Art und Weise.

Das hat natürlich positive Auswirkungen in Bezug auf Fokus, Klarheit, Resilienz und emotionale Fähigkeiten. Für die Unternehmen selbst ergeben sich also vielfach Vorteile. Wenn Mitarbeiter entspannter arbeiten, gelassener sind, können Sie auch besser mit Herausforderungen umgehen und sind zufriedener. Eine Win-Win Situation. Aber woher kommt der Hype um Achtsamkeit und Meditation?

Ein Trend, der gar keiner ist.

Der Grundgedanke der Achtsamkeit entstammt dem Buddhismus. Mindfulness ist also viel älter, als die wissenschaftliche Erkundung des Begriffs. Um Übungen zu praktizieren muss man allerdings kein Buddhist sein. Die am weitesten verbreitete Methode heißt übrigens Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR). Sie wurde Ende der 1970er-Jahre von dem US-amerikanischen Molekularbiologen Jon Kabat-Zinn entwickelt. Er hat die Meditation aus der religiösen Spiritualität herausgelöst, ohne ihre Bedeutung zu schmälern.

„Führung zu übernehmen ist eine der wesentlichsten Entscheidungen, die man treffen kann - es ist die Entscheidung, aus dem Dunkel ins Licht zu treten."

Ein Auszug aus einem Interview mit der FAZ: „Achtsamkeit ist keine Modeerscheinung wie Aerobics, sondern eine Lebenseinstellung. Sie bringt Ruhe in die Hektik unseres Alltags und hilft uns, besser mit Stress, mit Ängsten, negativen Gefühlen… umzugehen. Deshalb nutzen natürlich auch viele Führungskräfte, die beruflich sehr eingespannt sind, die Meditation.“ Damit ist Kabat-Zinn nicht alleine. Schon der weltbekannte Pionier Dr. Deepak Chopra hat es verstanden, den ganzheitlichen Ansatz von körperlicher Gesundheit, emotionalem Wohlbefinden und spiritueller Erfüllung mit dem westlichen Lebensstil zu verbinden. Dieselben Prinzipien, die er in seinen Führungskräfte Seminaren lehrt, gelten auch für jeden anderen Lebensbereich, für Familien, Schulen und Nachbarschaften. „Auf der tiefsten Ebene ist die Führungsperson die symbolische Seele der Gruppe“, sagt Chopra. Dem darf gerne auch ein wenig Aufmerksamkeit geschenkt werden.

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