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Talking ’bout a Generation

10. Juni 2018, Editorial

Generation Z: Aus unternehmerischer Sicht ist ihr Verhalten vielleicht nicht immer gemütlich, dafür aber umso spannender und oftmals sehr hilfreich.

Thema:

Digital Natives
Generation Z
Influencer
keine Welt ohne Netz

Die Jugend verstehen, das war ja schon immer ein Problem der Alten. Die Hymne „My Generation“ von The Who, ist zwar in grauer Vorzeit, den 60ern, komponiert worden, der Inhalt ist aber für die heutige junge Generation absolut nachvollziehbar. Auch sie fühlt sich unverstanden und ungehört. Allerdings muss sie nicht mehr laut rebellieren, um sich Gehör zu verschaffen. Sie ist ihren Vorgängern, ihren Eltern und Großeltern in vielem nicht nur einen Schritt voraus. Sie ist Meilen entfernt und eignet sich in einem Tempo neue Fähigkeiten an, deren Wert und Sinn die meisten von uns nicht im Geringsten nachvollziehen können. Ihr Name: Generation Z.

iPhone, iSnap, iShop

Es ist anzunehmen, dass dieses Problem existiert seit es Menschen gibt: Irgendwie müssen die verschiedenen Generationen trotz aller Missverständnisse zusammen leben und zusammen arbeiten, auch wenn es nicht immer einfach ist. Nach den Babyboomern und den Generationen X und Y sorgt jetzt die sogenannte Gen Z für viele Fragen und Probleme. Auf die orientierungslose Lost Generation (bis 1980 Geborene) folgte die alles hinterfragende Generation Why, geboren zwischen den frühen Achtzigern und späten Neunzigerjahren. Und nun also die Z-ler, die ersten Digital Natives. Ihr selbstverständlicher Begleiter, um ihr Leben zu leben: das Internet. Natürlich, denn sie kennen keine Welt ohne Netz. Wie also sollen sie von der guten alten analogen Zeit träumen, wie so viele andere, die sich Handyfasten und Digital Detox verschreiben? Für die Gen Z ist die Welt zugleich virtuell und reell. Online und offline sind keine Gegensätze, sondern eine selbstverständliche Mischung.

„Wir brauchen die Herausforderung der jungen Generation, sonst würden uns die Füße einschlafen.“ Willy Brandt

Auf die richtige Work-Life-Balance achten? Nicht notwendig, die Zler mixen alles ganz selbstverständlich sieben Tage pro Woche. Ganz schön fortschrittlich, wenn man ehrlich ist und sympathischer als ein leicht hektisch eingeschobenes „Jetzt brauche ich aber mal Zeit für mich.“ Auch beschränkte Öffnungszeiten sind für Menschen, die 24 Stunden Zugriff gewöhnt sind, ziemlich – naja beschränkt eben. Ohnehin ist „Access“ das Zauberwort dieser Generation. Ihr geht es um den Zugang, nicht um Besitz. Unternehmen, denen es an Flexibilität mangelt, können nicht damit rechnen, ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Wer an der jungen Generation verdienen will, sollte zumindest versuchen zu verstehen, wie sie tickt. Sie zeigt uns, wie man heute und in den kommenden Jahren kommuniziert, wie man arbeitet und natürlich auch wie man shoppt. Und jedes Unternehmen sollte so schlau sein, genau das zu beobachten und davon zu profitieren. Denn von Marketing verstehen die Z-ler mehr als so mancher Brand Manager. Quasi von Geburt an.

Ich bin ein Star

Während viele renommierte Marken krampfhaft auf der Suche nach einem jugendlichen Onlineauftritt sind, präsentieren sich Teenager ganz selbstverständlich auf Musical.ly, Snapchat und Insta. Nicht nur zum Spaß übrigens, sondern ganz klar mit dem Ziel, sich gut darzustellen und selbst zu vermarkten. 1 Millionen Follower? Ja, bitte! Eine eigene Modelinie? Kein Problem. Die deutschen Zwillinge Lisa und Lena haben das auf beeindruckende Weise vorgemacht. Die 15-jährigen Youngster sind erfolgreiche Social-Media-Stars, kritisch bis verwundert beäugt von ihren eigentlich technikaffinen Vorgängern, die doch selbst gerade noch die Vorreiter waren. Lang, lang ist’s her. Influencer zu sein ist keine Lachnummer mehr, sondern tatsächlich ein ernstzunehmender Berufswunsch.

ON-OFF: Das Gefühl, dass sich die Welt immer schneller dreht, ist ein typisches Indiz dafür, dass man nicht mehr on top ist.

Aber jetzt bitte nicht in Panik verfallen, sondern einfach die Jungen (mit)machen lassen. Tatsächlich gibt es nicht nur beinahe wöchentlich neue Anwendungen oder Apps, noch dazu ändert sich die Art, wie man mit ihnen interagiert. Nämlich schneller, einfacher und intuitiver. Klingt gut, ist aber gerade der Killer für die Älteren. Gemeint sind damit übrigens die über Dreißigjährigen. Sorry. Und wie sieht denn nun ein Shoppingerlebnis für die Generation Z aus? Erst googeln, dann shoppen? Ja, aber nicht, wie so oft behauptet, nur im Internet. Die Jungen informieren sich zwar im Netz über angesagte Marken, Outfits und Food-Trends. Gekauft wird dann aber auch in Shops vor Ort. Natürlich nicht ohne in Echtzeit ein Feedback von Freunden oder Followern einzuholen. Shoppen von Shop zu Shop sozusagen: hier etwas anprobieren, mit der Welt teilen, vielleicht ein paar Fundstücke mitnehmen und auf jeden Fall eine Spur Hashtags hinterlassen. Nehme ich das Cropped-Sweatshirt oder doch lieber den Hoodie?

 

Dass die Community auf solche Fragen schneller ein Feedback parat hat als jeder Ehemann, leuchtet ein. Womit wir bei den Rollenbildern der Generation sind. Sie ist nicht nur die bislang kulturell und ethnisch vielfältigste, für die Länder- und Sprachgrenzen selbstverständlich verschwimmen, sie ist auch nicht unbedingt in klassischen Familienstrukturen und mit eindeutigen Geschlechtszuweisungen aufgewachsen. Den Z-lern steht die ganze Welt und auch jede Art von Beziehung offen. Man trifft sich und man kennt sich. Zumindest am Screen.

Try, fail, win!

Die Z-ler wissen immer genau, was gerade passiert. Im selben Gebäude, in derselben Stadt oder tausend Kilometer entfernt, das macht für sie keinen Unterschied. Sie warten nicht auf ZIB 2, um sich zu informieren und sind äußerst selten auf Facebook anzutreffen. Das einzige, was sie gerne mit den Generationen X und Y teilen, ist wahrscheinlich der Netflix-Account. Sie wissen, wie und wo man Produkte vergleicht und jagt. Und zwar in Sekundenschnelle. Aus unternehmerischer Sicht ist ihr Verhalten vielleicht nicht immer gemütlich, dafür aber umso spannender und oftmals sehr hilfreich. Hat ein Produkt ein Problem, schreiben und snappen sie es in die Welt hinaus – meistens bevor es die Verantwortlichen überhaupt gecheckt haben.

Sie sind offen und extrem experimentierfreudig. Etwas Neues ausprobieren? Warum nicht?

Sie kennen keine Scheu und sind so selbstsicher wie keine Generation vor ihnen. „Try, fail and win“ könnte ihr Lebensmotto sein. Schließlich sind sie nicht in eine kuschelige Welt hineingeboren worden, sondern in eine harte Realität, die ihnen einiges abverlangt. Ihre Zukunft ist wohl so ungewiss wie keine zuvor. Vielleicht bleiben sie auch deshalb so lange im Nest der Eltern, bevor sie sich ihr eigenes bauen. Denn natürlich brauchen sie mehr als virtuelle Wärme. Sie wollen fühlen und erleben. Ganz real. Man muss sie nur nehmen, wie sie sind. Und darin unterscheiden sie sich nicht von allen anderen Menschen – und Kunden …

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