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Back to reality?

06. Mai 2020, Editorial

Österreich ist Vorreiter, wenn es um Lockerungen der Corona Maßnahmen und den schrittweisen Einstieg in den „Alltag“ geht. Ab Mai planen viele Unternehmen eine Rückkehr ins Büro - allerdings auf Raten. Maskenpflicht, social distancing und Desinfektionsmittel statt Obstkorb, eins ist sicher: der Arbeitsalltag wird komplett umgekrempelt werden. Doch wie kann ein Einstieg ins Büro nach so langer Home Office Phase aussehen? Was wird sich ändern?

Thema:

Arbeitszeiteinteilung
Coronakrise
Home-Office
neue Arbeitsstruktur
neuer Büroaltag

Kein Ende von Home Office in Sicht

Obwohl die Umstellung auf Home Office und die damit verbundenen Einschränkungen für die meisten anfangs schwierig waren, hat man sich inzwischen dran gewöhnt. Für viele ist das Arbeiten von zuhause auch ein gewisser Luxus, denn man kann länger schlafen, anziehen was man will und muss sich nicht morgens um 8.00 Uhr mit 200 anderen Menschen die Stange in der überfüllten U3 teilen. Und auch Statistiken zeigen, dass sich durch die Corona-Krise und Home Office bei vielen der Lebensrhythmus verändert hat. Ein Blick auf den Strom- und Wasserzähler zeigt die coronabedingten Veränderungen des Alltags auf: in der Krise wird länger geschlafen. In nicht-Corona Zeiten fließt unter der Woche zwischen 7.45 und 8.15 Uhr das meiste Wasser, doch inzwischen hat sich dies auf den Zeitraum zwischen 9.30 und 10.00 Uhr verschoben. Durch Home Office und Home School spart man sich den Weg in die Arbeit und die Schule, und kann daher etwas gemütlicher in den Tag starten.

Laut Magenta CEO Andreas Bierwirth hat es 100 Prozent mehr Telefonanrufe und durchschnittlich 40 Prozent mehr Datennutzung während der Corona Krise gegeben. Und auch Bierwirth glaubt, „dass das Thema Home Office etwas ist, was bleiben wird. Home Office hat uns verändert.“ Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz bemerkte in einer Pressekonferenz, dass das Home Office in anderen Bereichen der Verwaltung gut funktioniere und auch Unternehmen das Teleworking beibehalten sollten. Doch was heißt die Umstellung auf mehr Home Office denn nun konkret für den Büro-Alltag? Ist das klassische Konzept des Büros und der Zusammenarbeit überaltert?

Büroalltag? Nur ned hudln!

Beim Prüfungsunternehmen Deloitte in Österreich laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren, um sich auf den Wiedereinstieg ins Büro vorzubereiten und die Sicherheit der Mitarbeiter zu gewährleisten. Zunächst dürfen nur die Mitarbeiter vor Ort arbeiten, die bestimmte Infrastruktur nutzen müssen oder wegen ihrer Funktion gebraucht werden. Der Mund-Nasen-Schutz ist ein Muss und am Empfang steht eine Desinfektionssäule.

Auch Feuerfesthersteller RHI Magnesita öffnet die Zentrale am Wienerberg. Es sei jedoch nicht verpflichtend ins Büro zu kommen, laut Lisa Fuchs die Sprecherin des Unternehmens. Strenge Sicherheitsmaßnahmen wie Fieber messen bei Ankunft im Büro, Handschuhe und Mund-Nasen-Schutz bestimmen von nun an den Büroalltag.

In den Niederlanden geht man noch einen Schritt weiter. Das Büro der Firma Cushman&Wakefield mitten im Geschäftsviertel in Amsterdam wurde auf den Alltag mit Corona eingestellt: Damit sich jeder an die Maßnahmen und die damit verbundenen Sicherheits- und Hygienevorschriften hält, hat man auf dem Boden und auf der Wand blaue Pfeile oder rote Stoppschilder geklebt, die den einzigen erlaubten Weg durch das vierstöckige Büro weisen. Und damit nicht genug, werden die Mitarbeiter anhand von Minisendern und anonymisierter Handydaten überprüft, ob sie sich auf den sicheren Weg durchs Haus bewegen. Big Brother oder notwendige Schutzmaßnahme? Bleibt abzuwarten welche Richtung dieses Modell in Zukunft einschlagen wird.

Wer im (Plexi)Glashaus sitzt …

Doch wer die neuen Regeln richtig befolgen will, wird schon an der ersten größeren Herausforderung getestet: der Umsetzung der Abstandsregel. Dies bedeutet eigentlich, dass nur noch jeder zweite Arbeitsplatz freigegeben werden kann und einige Firmen sogar mit Plexiglasschutz zwischen den Tischen arbeiten müssen, um die Sicherheitsregeln gewährleisten zu können. Bei Magenta beispielsweise wird aufgrund des Desksharings nur noch ein Viertel der Belegschaft ins Bürogebäude zurückkehren können. Meetings werden weiterhin virtuell abgehalten.

Mehr Flexibilität bei der Arbeitszeiteinteilung ist für viele Unternehmen aber auch ein interessanter Aspekt, denn so kann man mit weniger Bürofläche auskommen und Kosten sparen. Laut Peter Trawnicek, Country Manager Austria VMware, sollten Unternehmen am Ende der Pandemie nicht einfach zu ihren alten Arbeitsweisen und Strukturen zurückkehren. Unternehmen müssen aus dieser aktuellen Situation lernen und notwendige Maßnahmen ergreifen. Das heißt auch einzusehen, dass Home Office noch länger Teil des Beruf-Alltags bleiben wird. Für viele Unternehmen hat sich Home Office sogar auch als unverzichtbarer Faktor für das Fortbestehen und die Existenz erwiesen, und ist die einzige Möglichkeit, die Kontinuität aufrechtzuerhalten. Dies gilt es nun beizubehalten.

Interessant ist auch die Weiterentwicklung in Richtung «Remote-First», damit auch nachhaltig Erfolg bestehen bleibt. So soll die Unterscheidung zwischen «Home Office-Mitarbeiter» und «vor Ort-Mitarbeiter» aufgehoben werden, damit eine Umgebung und Arbeitsweise geschaffen werden kann, in der Gruppenzugehörigkeit, Wohlbefinden und optimale Produktivität für alle Mitarbeiter gleichermaßen garantiert ist. Was sich zunächst easy anhört, ist in der Umsetzung jedoch alles andere als das. Wie viele in den letzten Wochen selbst erlebt haben, ist es schwer genug, sich in all den Zoom-Meetings zurechtzufinden; dann noch mit den Kollegen per WhatsApp oder Email die nächste Besprechung zu organisieren oder das neue Projekt zu besprechen, benötigt viel Durchhaltevermögen und starke Nerven. Da ist es normal, dass das ein oder andere Detail mal durchrutscht oder in der Kommunikation verloren geht. Das wird auch durch Plexiglasspuckschutz nicht einfacher.

Home Office for Future

Doch auch global Betrachter, wird die Business-Welt aus der aktuellen Krise lernen müssen. Unnötige Flugreisen für Konferenzen und Meetings können dank Videokonferenzen umgangen und so Kosten in Höhe von mehreren tausend Euro gespart werden. Und auch die Umwelt dankt es: Denn schon zu Beginn der Krise konnte man sehen, wie positiv sich Social Distancing auf unsere Umwelt auswirkt: deutlich weniger CO2-Ausstoß durch weniger Flugreisen und Autoverkehr. Laut dem „Center for Research on Energy and Clean Air“ sanken in China die Kohlendioxid-Emissionen im Februar um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei konnten etwa 200 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Das Entfallen des morgendlichen Arbeitsweges per Auto, Zug oder U-Bahn könnte also mehr zur Hilfe der Umwelt beitragen als jedes von der Regierung beschlossenen Gesetzespapier.

Und auch Innovationstechnisch gesehen, wird es in Zukunft schneller voran gehen. Denn dank des Digitalisierungsschubs, den die Corona Krise hervorgebracht hat, wird es auch in Zukunft leichter sein, digital und entfernt zu arbeiten, so als wäre man vor Ort. Hinzu kommt natürlich auch das eigene Wohl, denn durch Home Office arbeiten viele Angestellte effizienter und sparen sich zudem Zeit und Kosten für den Arbeitsweg oder den täglichen Gang zum Bäcker während der Mittagspause.

Es ist also klar: es wird sich einiges in der Arbeitswelt ändern. Vom gewohnten Kaffeeklatsch in der Küche bis zum Bussi Bussi Empfang von Kollegen; man muss sich auf weniger Kontakt und soziale Einschränkungen weiterhin einstellen. Unternehmen müssen jedoch auch die Grundlage und geeignete Plattform für ein mobiles Arbeiten schaffen, so dass die Mitarbeiter auch weiterhin sicher, flexibel und effizient arbeiten können. Wie lange noch ist ungewiss. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, welche Auswirkungen COVID-19 langfristig auf die Wirtschaft und speziell unseren Arbeitsalltag hat. Also abwarten und Tee trinken.

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