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So ein Müll

03. Dezember 2018, Editorial

Weil immer mehr Menschen online statt im stationären Handel einkaufen, wachsen auch die Müllberge in den Städten – ganz besonders um die Weihnachtszeit. Gleichzeitig fordern Käufer aber immer mehr Nachhaltigkeit von ihren Lieblingsmarken. Wie das zusammengeht? Dank einiger innovativer Firmen eigentlich ganz gut.

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Müllberg
nachhaltig
Online-Shopping
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wie mans besser macht

Eines der größten Probleme, wenn’s um Onlineshopping geht: dass so viel Luft verschickt wird. „Shipping air“ heißt das in der Fachsprache. Wenn eine kleine Box, die den Artikel beinhaltet, in einem großen Karton steckt, der mit Luftpölstern aufgefüllt ist, damit der kleinen Artikelbox nichts passiert.

 

Einerseits können die Händler durch dieses Overpacking gewährleisten, dass das Produkt unbeschädigt ankommt. Angeblich landen Pakete nämlich durchschnittlich 17 Mal unsanft auf dem Boden, ehe sie ihre Empfänger erreichen. Andererseits sehen viele Kunden so viel Füllmaterial und unnötige Schachteln mittlerweile als Verschwendung. Eine Win-Lose-Situation. Deshalb suchen Unternehmen jetzt vermehrt nach Lösungen, die ein zweifaches „Win“ ermöglichen, ohne etwas an der Bequemlichkeit von Onlineshopping zu ändern. Das ist gar nicht so einfach.

Ein teurer Spaß

Die Sache ist nämlich die. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass Online Retail weiter wachsen wird. Allein in den USA hat er 2017 um 16 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: Der Handel als Gesamtes ist im selben Zeitraum um gerade einmal 3,8 Prozent gewachsen. Und hauptsächlich sind es Privatpersonen, die sich Pakete zustellen lassen. Das war früher anders. Da wurde der Großteil der Pakete noch zu Händlern geliefert, die Produkte am POS ohne zusätzliche Kartons weiterverkauft haben. Nur für die USA bedeutet die Zunahme im Onlineshopping 165 Milliarden Sendungen pro Jahr. In San Francisco hat das sogar dazu geführt, dass die Stadt die Steuer auf Müll erhöhen musste, weil die Müllabfuhr die zusätzliche Last sonst nicht geschafft hätte. Dort sammeln sich täglich 625 Tonnen wiederverwertbarer Materialen, mehr als 100 Tonnen sind davon Karton. Wenn, so wie es derzeit ausschaut, aber niemand auf Onlineshopping verzichten mag, muss eine andere Lösung her. Nicht unweit von San Francisco arbeitet ein Start-up genau daran.

Zweitausend zu eins

Nachhaltige, wiederverwendbare Verpackungen sind nicht unbedingt neu. Das Problem dabei ist aber, dass in den USA nur etwa ein Viertel aller Privatpersonen Pakete recycelt. Viele wissen gar nicht, dass und wie das funktioniert.

Das Versenden von Paketen für Onlinestores wird revolutioniert

Darum hat das kalifornische Unternehmen „LimeLoop“ ein neues System entwickelt. Ihre Versandtaschen aus dem Vinyl alter Werbeflächen – beständig, leicht und wasserdicht – lassen sich reinigen und reparieren. Sie sind also perfekt, um wieder und wieder verwendet zu werden. Etwa 2.000 Mal könne man so eine Pouch benutzen, sagt LimeLoop. Das entspreche ziemlich genau 2.000 Einweg-Verpackungen. Kunden müssen sie nach ihrem Einkauf nur wieder retournieren. So gelangen die Versandtaschen wieder in den Sendekreislauf. Das ist zwar kostenlos, setzt aber voraus, dass Kunden die Pouches tatsächlich in die Post werfen. Was, wenn ihnen das zu aufwendig ist?

Mehr Umwelt-Bewusstsein

Genau das dachten sich auch die Finnen von „RePack“ und haben neben einem nachhaltigen Packaging auch gleich noch ein Belohnungssystem eingeführt. Wer seine Verpackung gratis zurückschickt – die im leeren Zustand übrigens auf die Größe eines Briefes zusammengefaltet werden kann – bekommt beim nächsten Einkauf einen Rabatt. So wollen sie, sagen sie selbst, die Welt vor Müll retten.

 

Und das hat sich auch dringend notwendig. Verbrauchen wir weiterhin so viel Plastik, schwimmen 2050 mehr Plastikflaschen als Fische im Meer. Die 165 Milliarden Päckchen aus Amerika müssen auch erst produziert werden – sie kommen von etwa einer Milliarde Bäume, die unserer Umwelt ebenfalls fehlen. Darum gibt’s Unternehmen, die für jedes versendete beziehungsweise verkaufte Produkt einen Baum pflanzen. Woodchuck, eine Holzmanufaktur in Amerika, gehört dazu. Seit 2015 hat die Firma so weltweit mehr als 1,3 Millionen Bäume gepflanzt. Bis 2021 sollen es bereits zehn Millionen sein. Und man selbst kann künftig ja auch mal wieder in einem Geschäft in der Nähe nach einem bestimmten Produkt schauen, bevor man es online bestellt. So spart man vielleicht nicht gleich eine ganze Tonne ein, aber jeder fängt mal klein an. Zusammengerechnet wird das mal was ganz Großes. Jetzt in der Weihnachtszeit ist das quasi ein doppeltes Geschenk. Eines für unsere Liebsten und eines für unsere Umwelt.

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