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Schon mal von Blockchain gehört?

18. Januar 2018, Editorial

Eine Technologie, der zugeschrieben wird, unsere digitalisierte Zukunft zu revolutionieren. Doch was genau ist eine Blockchain überhaupt und wie können wir von ihr profitieren?

Thema:

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Blockchain ist eine kryptographisch organisierte digitale Datenbank, die durch ein Computer-Netzwerk gesichert und gespeichert wird. Wie das Wort „Blockchain“ erahnen lässt, handelt es sich um eine (virtuelle) Kette aus Blöcken. Man kann sich Blockchain wie ein Kassenbuch vorstellen, in das Transaktionen von Menschen geschrieben werden. Diese können von jedem eingesehen werden, da jeder Teilnehmer über eine digitale Kopie des Kassenbuches verfügt. Ist eine Seite des Buches voll, ist ein Block der Kette gefüllt.

 

Anmerkung: Technisch gesehen verfügt nicht jeder Nutzer über eine eigene Kopie der Blockchain, sondern sogenannte „Miner“ erstellen diese. Die Nutzer haben dann die Möglichkeit, die Kopien einzusehen oder ihre eigene zu machen (trägt aber ohne Mining nichts zum Netzwerk bei).

Blockchain und Bitcoin?

Blockchain wurde schon in den 90ern erfunden, die erste digitale Chain gab es bereits 2001. Die Innovation bei heutigen digitalen Blockchains liegt in der Monetarisierung, wodurch ein Anreiz für „Miner“ entsteht, das Netzwerk zu sichern.

Bitcoin verhält sich zur Blockchain wie das World Wide Web zum Internet – eine konkrete Anwendung versus die gesamte Plattform.

Das Konzept hat sich ein Mann mit dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ für die virtuelle Währung Bitcoin ausgedacht haben. Satoshi brauchte eine gemeinsame und öffentliche Datei, in der man aber nur neue Einträge hinzufügen und keine älteren löschen oder ändern kann. Man kann zusammenfassen: Blockchain ist der theoretische wie auch technische Unterbau von Bitcoin oder anderer sogenannter „Kryptowährungen“.

Wie funktioniert Blockchain?

Grundvoraussetzung jeder Blockchain ist einerseits ein Netzwerk von Nutzern, die untereinander verbunden sind und in irgendeiner Form Geschäfte abzuwickeln zu haben, die auf Vertrauen basieren, und andererseits „Miner“, die in Konkurrenz um die Kreation des nächsten Blocks stehen. Dabei kann es sich um Finanztransaktionen handeln, aber auch um den Abschluss einer Versicherung oder die Umwidmung eines Grundstücks. Üblicherweise wird für ein solches Geschäft ein Mittelsmann eingeschaltet, wie zum Beispiel für eine Geldüberweisung Banken oder Kreditkartenanbieter. Diese Mittelsmänner verlangsamen den Prozess der Transaktion und verlangen außerdem Gebühren für ihre Dienstleistung, sodass die Transaktion teurer wird.

Mit einer Blockchain besteht kein Bedarf mehr für Mittelsmänner

Das Vertrauen steckt in der Technologie bzw. in der dahinterliegenden Mathematik, ohne Mittelsmänner. In einer Blockchain gespeicherte Transaktionen oder Informationen sind aus Prinzip echt und unveränderlich und brauchen deswegen niemanden mehr, der sie verwaltet oder beglaubigt. Sogenannte „Smart Contracts“ mit einprogrammierten Regeln und Funktionen könnten herkömmliche Verträge auf Papier ersetzen. Ziel ist grundsätzlich, die handelnden Personen in den Mittelpunkt zu stellen und zwischen ihnen eine direkte Kommunikation zu ermöglichen.

Was ist an Blockchain so besonders?

1. Alle Daten werden verschlüsselt gespeichert.

Zusammen verhindert das effektiv Korruption und Manipulation. Das gesamte Netz legitimiert sich gegenseitig.

 

2. Blockchain ist fälschungssicher.

Jeder neue Block ist mit dem vorhergehenden Block verbunden und enthält die Historie in Form einer Art Quersumme. Zusätzlich enthält jeder Block auch die Prüfsumme der gesamten Kette. Damit ist die Reihenfolge der Blöcke eindeutig.

 

3. Blockchain ist eine „verteilte“ Datenbank.

Die Informationen in einer Blockchain liegen nicht zentral vor, sondern sind verteilt. Es gibt keinen Eigentümer oder den einen Rechner, auf dem eine riesige Datenbank liegt. Die Verteilung der Informationen reduziert das Risiko von Manipulationen (gefährlich könnte es nur dann werden, wenn es einem Manipulator gelänge, mehr als die Hälfte aller beteiligten Systeme unter seine Kontrolle zu bringen).

Und was bedeutet das jetzt in der Praxis?

1. Besonders großes Veränderungspotenzial hat die Blockchain-Technologie für die Finanzbranche. Entsprechend hektisch wird dort auch bereits an dem Thema geforscht (man möchte natürlich nicht den Zug verpassen und schlagartig überflüssig sein). Die führende amerikanische Börse, die Nasdaq, experimentiert bereits mit der Blockchain-Technik zur Verwaltung von Anleihen.

 

2. Ein auf Blockchain basierender Musikdienst wäre ein öffentlicher, dezentraler Musikladen, in dem es keine Plattenverträge mehr braucht und Künstler die Rechte an der eigenen Musik verwalten und die Bedingungen für die Nutzung der Musik festlegen. Das Verhältnis zwischen Fan und Künstler verändert sich dadurch dramatisch. Fans könnten für die Unterstützung der Künstler und das Verbreiten von Musik partizipieren und damit Teil des Erfolges sein.

 

3. Beispiel Frischfleisch: Mit der Blockchain wäre der Weg des Produkts von der Schlachtung, Verarbeitung und zur Kühltheke nachvollziehbar und fälschungssicher dokumentiert.

 

4. Ein auf Blockchain basierendes Wahlsystem wäre nicht nur vor Manipulation geschützt, sondern auch anonym und sicher. Vor allem können die Wähler von zu Hause wählen, ohne zu einer Wahlurne zu gehen. Fehler beim Auszählen sind ausgeschlossen.

 

5. Estland führte schon Ende 2014 das e-Residency-Programm ein, das es jedem EU-Bürger mit Internetanschluss ermöglicht, sich im Land anzumelden und finanziell aktiv zu werden, ohne physisch anwesend zu sein. Honduras will eine Blockchain-Datenbank für Landrechte einrichten, um damit sicherere Hypotheken, Verträge und Ressourcen-Rechte zu erreichen.

Blockchain hat das Potential, eine ähnliche Revolution zu werden, wie das Internet Anfang der 90er Jahre.

Zu den Anfängen im Internet gab es außer Internetseiten und E-Mail auch keine weiteren Anwendungen. Heute sind unsere Autos, Häuser, Geräte und letztendlich wir alle miteinander vernetzt. Daher ist es schwer zu sagen, in welche Richtung Blockchain sich entwickelt, Potential ist aber vorhanden und viele Einsatzzwecke heute schon denkbar.

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