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Podcast Hype

28. Februar 2020, Editorial

Ob Blogger, Politiker, Journalisten oder Köche; derzeit hat gefühlt jeder einen Podcast und teilt sein Wissen, seine Meinung oder seine Tipps ganz persönlich durchs Mikrofon mit seinen Hörern. Doch was steckt hinter dem Hype? Und werden die steigende Popularität und Anzahl an Podcasts vielleicht irgendwann die traditionellen Medien als Informationsquelle überholen?

Thema:

Audiomarkt
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Trend2020

Der neue Stern am digitalen Himmel

Gelangweilt vom Einheitsbrei auf Instagram und endlosen Diskussionen auf Twitter? Wie wär’s mit ‘nem Podcast? Podcasts sind schon seit einiger Zeit in aller Munde. Ein Trend der sich hält. Die internationale Wirtschaftsprüfung Deloitte hat den Podcast Boom sogar in ihre Liste der ausgewählten fünf Tech Trends 2020 aufgenommen. Alle Zeichen deuten auf einen Trend hin, der den Audiomarkt in den nächsten Jahren weiter bestimmen wird.

Angefangen hat alles 2004: vor allem durch den iTunes push, der Podcasts zu mehr Aufmerksamkeit geholfen hat. Apple hat damals über 3,000 Podcasts gratis auf iTunes angeboten.  Als 2008 dann das iPhone 3G auf den Markt kam, konnten Benutzer plötzlich ganz leicht Audio Dateien runterladen und überall hören. So wurde das Rad in Gang gesetzt, denn je mehr Leute Podcasts hören, desto mehr werden produziert. In nur wenigen Jahren schafften Podcasts den Aufstieg in den Audio Himmel. Das haben auch die großen Firmen mitbekommen und sind schnell auf den Hype aufgesprungen: Über Podcast-Analytics analysiert Apple seine Hörerdaten, auf Google soll es bald sogar eine eigene Suchkategorie für Podcasts geben, und Spotify bietet Podcasts nicht nur zum Hören an, sondern produziert diese auch selbst.

23% der Österreicher hören Podcasts

Inzwischen gibt es über 700.000 Podcasts weltweit und vor allem bei der jungen Generation sind sie enorm beliebt. Laut einer Umfrage des Statistik-Portals Statista, zur Nutzung von Podcasts in ausgewählten Ländern weltweit im Jahr 2019, gaben 23 Prozent der Befragten aus Österreich an, im vorigen Monat einen Podcast gehört zu haben. Doch vor allem in den USA und Großbritannien erfreuen sich Podcasts an enormer Beliebtheit. 35 Prozent der Befragten Amerikaner gaben an, im vergangenen Monat einen Podcast gehört zu haben. In Spanien waren es 39 Prozent und in Südkorea sogar mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent). Da wittern manche natürlich auch das große Geschäft: In den USA stiegen die Werbeeinnahmen im Podcast-Markt auf 479 Millionen Dollar.

Im deutschsprachigen Raum gibt es aber Aufholbedarf. Doch Formate wie Gabor Steingarts „Morning Briefing“, mit 400.000 Downloads pro Woche, zeigen, dass der Podcast Hype bei uns jetzt erst so richtig angefangen hat.

Podcasts: das nächste Facebook, Instagram & co.?

Doch warum hat gerade gefühlt jeder einen Podcast? Podcasts sind ein Teil des revolutionären Geistes unserer Zeit, in dem sie, wie das Bloggen, soziale Medien und das Internet, die Kommunikation demokratisiert haben. Podcasts sind quasi die Weiterentwicklung der sozialen Medien, hin zu einem bewussteren Umgang mit Informationen. Denn nach der ganzen Überflutung, mit der man jeden Tag in den sozialen Medien konfrontiert wird, hat es was Entspannendes sich mal länger bewusst auf ein Thema konzentrieren zu können. Oft scrollt man kilometerlang durch seinen Instagram Feed, ohne danach besonders inspiriert zu sein, im Gegenteil. Könnten Podcasts also das Gegenmittel zu Facebook und co. sein? Es scheint, dass vor allem die Bandbreite an Möglichkeiten, die Podcasts anbieten, ihre Beliebtheit steigern. Weniger Werbung als im Radio, die Möglichkeit seine Podcasts gezielt nach seinen eigenen Lieblingsthemen auszuwählen, und abrufbar egal zu welcher Uhrzeit: Es gibt einen Podcast für jede Gelegenheit und alle Geschmäcker. Das Format der Podcasts lässt sich also easy in unseren hektischen Alltag integrieren. Die beliebtesten Themen bei Podcasts sind übrigens Nachrichten, Musik, Wissenschaft und Technik.

Doch was heißt das für das klassische Radio, wo die Themen, die wir nun als Podcasts hören, eigentlich schon immer Teil des Programmes waren? Könnten Podcasts vielleicht irgendwann das Radio als Medium ersetzen?  Das attraktive an Podcasts ist, dass die klassischen Eigenschaften des Radios neu zusammengesetzt werden. Das muss aber nicht in Konkurrenz zum Radio stehen. Podcasts können die Radiolandschaft auch beleben. Es gibt viele Shows, die als Podcasts gestartet sind und sich Dank ihrer großen Beliebtheit nun zum festen Teil einer Radio Show entwickelt haben. Das was wir am Radio schätzen, das Kompakte, Aktuelle und Unterhaltende, wird nicht durch Podcasts ersetzt werden. Beide können also gegenseitig voneinander profitieren. Und auch Statistiken belegen, dass durch das klassische Werberadio immer noch mehr Umsatz gemacht wird als durch Werbung in Podcasts. Und wie wir alle wissen: Geld regiert die Welt – und bestimmt dadurch auch die Zukunft der Podcasts mit.

Vorsicht: Falle

Aber mit der großen Beliebtheit kommen auch die Schattenseiten. Inzwischen gibt es ein enormes Angebot an Podcasts. Es wird immer schwieriger sich im Podcast Dschungel zu orientieren und einzuschätzen, welche gut und welche langweilig sind. Podcasts werden zwar professioneller, aber dafür auch kommerzieller. Viele Podcasts gibt es nur noch bei Spotify oder anderen exklusiven Partnern. Oft muss man Geld für eine Plattform zahlen, um an die Podcasts ranzukommen, die man hören möchte. Das geht eigentlich gegen die Grundidee der Podcasts, Informationen für jeden frei verfügbar zu machen. Und dadurch, dass jeder seinen eigenen Podcast produzieren kann, können auch hier die negativen Effekte, die wir von Instagram und Co. kennen, auftauchen: Der Zukauf von „falschen“ Hörern um die Beliebtheit und Reichweite in die Höhe zu treiben, oder Fitness und Food-Amateure, die fragliche Informationen weitergeben, wären einige der Nebeneffekte, die Podcasts schnell zum leichten Mittel der Einflussnahme machen könnten.

Fakt ist: Der Trend hat gerade erst angefangen und in Zukunft wird es verstärkt heißen: Es gibt was auf die Ohren!

Übrigens auch wir produzieren Podcasts. Das jüngste Projekt ist mit SeneCura entstanden. Ein Podcast für alle Gesundeitsfragen. Wöchentlich werden aktuelle Themen aus verschiedenen Bereichen der Gesundheit mit Gesundheitsexperten/Ärzten im Talkformat behandeln. Zum Podcast

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