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Non-fungible … bitte was?

Der Hype – oder allein schon der Begriff- kam eigentlich wie aus dem Nichts und wurde über Nacht zu DEM Schlagwort schlechthin. Ein Non-Fungible Token ist eine Technologie, die auf modernen Varianten von Blockchain basiert. Ein Token ist also eine Währungseinheit. Ein „nicht-fungibler“ Token ist ein Token, den man nicht gegen etwas anderes austauschen kann. NFTs sind ein Mittel um online „Objekte“ beziehungsweise digitale Dateien zu (ver)kaufen.

Durch NFTs werden digitale Kunstwerke, Ausschnitte aus Sportszenen oder sogar Tweets zu handelbaren Artikeln, die man versteigern und besitzen kann. Durch NFTs kann man also Eigentum an (digitalen) Objekten erwerben. Der US-Künstler Beeple hat im März dieses Jahres seine Collage „Everydays. The first 5.000 Days“, bestehend aus mehreren digitalen zusammengefügten Bildern, beim Auktionshaus Christie’s für knapp 70 Millionen Dollar versteigert. Der indische Multimillionär Vignesh Sundaresan, der diese Form eines NFT gekauft hat, ist jetzt also der einzige und rechtmäßige Besitzer des digitalen Kunstwerks.

Berühmt wurden sie vor allem durch die Kunst- und Kulturszene.

Andere Beispiele von NFTs sind beispielsweise Jack Dorseys erster Tweet, eine digitale Kolumne der New York Times oder auch Internet-Memes, wie die berühmte Regenkatze Nyan Cat; alle wurde für Rekordpreise versteigert. Auch in der Musikszene revolutionieren NFTs gerade die Bezahlung von Musikstücken. Der Hip-Hop Produzent Gramatik hat innerhalb weniger Minuten sein Musikstück für 1,5 Millionen Dollar verkauft. Sein Musikstück ist nun auch ein NFT.

Doch kann man einen Song oder Tweet wirklich „besitzen“ wenn diese Objekte generell schon frei verfügbar sind und im Internet für jeden anzuschauen sind?

Ja, denn auch wenn jeder einen Tweet screenshoten kann oder eine Sportszene auf seinem Laptop speichern kann, liegt der Reiz darin, dass nur eine Person explizit als Besitzer des Videos, Tweets oder digitalen Kunstwerks gilt. Viele berühmte Gemälde und Fotografien werden ja auch oft kopiert und lassen sich im Internet herunterladen. Und eine gewisse Absicherung haben die Besitzer; denn in einem NFT ist festgeschrieben, wer Eigentümer eines digitalen Objekts ist. Dadurch das ein NFT in einer Blockchain abgespeichert und registriert wird, gilt es als unveränderbar und fälschungssicher. So kann man sicherstellen, dass auch ein NFT sozusagen eine „Echtheitsgarantie“ bekommt und der Eigentümer offiziell die Eigentümerschaft hat.

Aber ist der Hype gerechtfertigt?

Die Website Nonfungible.com ist der größte Datensammler im Bereich der NFTs. Laut aktuellem Jahresbericht lag die Marktkapitalisierung von NFT im Jahr 2020 bei über 380 Millionen US-Dollar. Und das im Vergleich zum Jahr davor, wo sie bei knapp 141 Millionen US-Dollar lag. Ein Trend, den man nicht ignorieren sollte und vielleicht bald auch nicht mehr ignorieren kann. Denn durch NFTs wird aus digitalen Objekten handelbare Ware gemacht, die man kaufen und verkaufen kann. Ein Phänomen, das in unserer zunehmend digitalisierten Welt Zukunft haben könnte. Der Boom, den der Online-Handel im letzten Jahr durch Corona erfahren hat, könnte einem weiteren Boom folgen, der durch NFTs nochmal neugestaltet wird und neue Form annimmt. Von digitaler Kunst, bis zur Musik und Social Media; NFTs sind dabei den Online-Handel wie wir ihn kennen zu revolutionieren.

Denn NFTs kombinieren zwei Mechanismen: Die technische Möglichkeit, handelbare Musik- und Kunstereignisse herzustellen; kombiniert mit dem Wert und der Anerkennung ein Unikat zu besitzen, welches viele Menschen täglich benutzen oder teilen, was einem aber nur allein gehört.

Und in Zukunft?

Blase oder Markt der Zukunft – das ist momentan noch schwer einzuschätzen, da der Hype und der Handel mit NFTs noch sehr neu ist. Fest steht jedoch, dass NFTs auch vor allem die Kunstbranche im digitalen Bereich transformieren werden, und dadurch vielleicht sogar unseren Umgang mit Social Media. Denn Kunst, wie die von Beeple, Banksy und co. oder auch Tweets und GIFs kann nun ein finanzieller Wert entgegengebracht werden, der nicht nur auf Likes und Views beruht. Um Erfolg durch Soziale Medien zu haben braucht man vor allem Reichweite, Sichtbarkeit und eine hohe Anzahl an Follower, Likes und Shares. Dies sieht man heutzutage vor allem vermehrt auf TikTok. NFTs können auch hier eine potenzielle Geldquelle darstellen für Künstler oder Influencer mit großer Reichweite in den Sozialen Medien. Denn wer viele Follower hat, könnte aus diesen auch viele Sammler machen. Viele Follower können sich so vielleicht auch an ihrem Idol bzw. Influencer beteiligen und diesen unterstützen.

Doch auch die Auswirkungen auf die Musikindustrie könnten so einiges verändern.

In Zeiten von vermehrtem Streaming und sinkenden Verkäufen ist es für Künstler schwieriger geworden den Wert ihrer Arbeit anerkannt zu bekommen beziehungsweise dafür richtig kompensiert zu werden. Durch NFTs besteht die Gelegenheit für Musiker, die Lizenzierung und den Vertrieb ihrer eigenen Inhalte zu nutzen und ihr Werke weltweit und schneller anzubieten. So würden auch unbekannte Nischen-Künstler schnell zu mehr Aufmerksamkeit kommen und auf Drittpersonen verzichten können, die oft hohe Gebühren für Vermittlung und Verbreitung der Musikstücke verlangen.

Generell zeichnet sich schon seit einiger Zeit in unserer Gesellschaft ein Trend ab: die Nachfrage für Unikate oder knappe Konsumgüter ist sehr hoch, wie zum Beispiel bei limitierten Special Edition Sneakers oder Kleidung. Je limitierter und exklusiver, desto höher die Nachfrage. Forschungen im Bereich der Ökonomie und Soziologie sowie auch Marktforschung belegen, dass der Wert solcher Konsumgüter nicht nur in ihrem Gebrauch liegt, sondern vor allem darin, dass Menschen durch besondere oder einzigartige Produkte ihren sozialen Status gegenüber anderen ausdrücken möchten. Dies ist eine Nische die NFTs optimal besetzen.

Doch es gibt auch einiges an Kritik…

…zu diesem neuen, für viele noch sehr intransparenten Phänomen: Der Künstler Mike „Beeple“ Winkelmann, der vom NFT Hype profitiert hat und durch diesen 53 Millionen Dollar verdient hat, hält die Non-Fungible Tokens für eine Blase, die früher oder später platzen wird. Auch der bekannte US-Unternehmer und Buchautor Seth Godin warnt, dass NFTs eine „gefährlichen Falle“ seien, denn sie sind nicht mit den Kunstwerken an sich zu verwechseln, sondern repräsentieren diese nur. Und natürlich sollte man sehr vorsichtig bei der Verifizierung und Authentizität sein. Denn vor Abzocken muss man sich, vor allem im Internet, in Acht nehmen: Falsche Geschäftsmodelle könnten NFTs von Werken erstellen, ohne deren Urheber um Erlaubnis zu fragen. Oder bereits gekaufte NFTs können von Hackern gestohlen werden. Auch ist es leicht hier auf Spams hereinzufallen, denn wer vorab bezahlt sollte sich vergewissern, dass der Link zu den angeblich teuer erstandenen Dateien nicht doch ein Fake ist.

Jedoch ist der Finanzmarkt sehr optimistisch was die Zukunft von NFTs anbelanget. Der Star-Investor Andreessen Horowitz hat gemeinsam mit u.a. Michael Jordan, Kevin Durant, Ashton Kutcher, Shawn Mendes und Will Smith starke 305 Millionen Dollar in „Dapper Labs“ investiert, welches hinter NBA TopShot steht, dem digitalen Sammelkartenspiel der Basketballliga das auf Token-Basis funktioniert. Die Erwartungshaltung hier ist, dass der Markt stark wachsen wird, und das Modell somit auch in andere Branchen gebracht werden kann. Dies würde enorme Möglichkeiten für viele weitere Bereiche eröffnen.

Kommt Zeit kommt Rat

Gerade in Zeiten der Pandemie sind digitale Vertriebswege, wie NFTs und Blockchain es sind, sehr reizvoll. Wir haben in den letzten Monaten bereits verstärkt gemerkt, dass wir auf digitale Formen des Handels angewiesen sind. NFTs sind vor allem durch ihren dezentralen Aufbau attraktiv und könnten Drittpersonen und Vermittlungsstellen ersetzen und somit den Prozess transparenter machen.

Nachdem der reguläre Konsument so schnell noch nicht von NFTs betroffen sein wird, werden sich die Spekulationen am Finanzmarkt weiter in die Höhe treiben. Ob wir irgendwann im Alltag wirklich mit NFTs in einer Form konfrontiert sein werden, bleibt abzuwarten. Bis dahin hat die New York Times den Hype treffend zusammengefasst: „Was NFT bedeutet, ist nicht wirklich wichtig, sie sind cool, sie machen Spaß, und man kann sie teuer verkaufen!“