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Mit voller Fahrt ins neue Jahr!

21. Dezember 2018, Editorial

Die vielseitigen Herausforderungen für Handelsunternehmen nehmen von Jahr zu Jahr zu. Die spannenden Perspektiven die sich daraus aber auch für den für die Retailbranche ergeben, haben wir zusammengefasst.

Thema:

Abos
Essen zuhause
Faked Meat Kreationen
Geofencing
Internet of Things
Retail
trends 2019

Wer nicht am Puls der Zeit lebt und wirtschaftet, läuft Gefahr, von der Konkurrenz abgehängt zu werden. Für jede Entwicklung, die man verschläft, gibt es drei neue Konkurrenten, die schon in den Startlöchern stehen – und vielleicht besser auf die sich rasant verändernden Bedürfnisse der Kunden eingehen. Damit Sie im neuen Jahr keine Überraschungen erleben, hier die 6 wichtigsten Trends, die Retail und Food im Jahr 2019 prägen werden.

1. Die Culture Coders.

Millennials effektiv zu erreichen ist schon seit längerem eine Challenge für den Handel. Was mittlerweile gesichert ist: Ihr Bauchgefühl ist ein wichtigerer Entscheidungsfaktor als die Geldbörse. Mehr noch als für frühere Generationen sind für Millennials Marken zu kulturellen Persönlichkeiten geworden, mit denen sie sich auch über traditionelle Einkaufs-Parameter hinaus identifizieren. Die Marke wird vermenschlicht, genau beobachtet und auch nachgelebt, so etwa als ob sie eine Celebrity wäre. Oft zieht es die jüngere Generation nicht mehr wegen der Produkte, sondern aufgrund der Experience in die Stores – US-Medien bezeichnen Marken daher schon als so genannte Culture Coders.

 

Der britische Footwear-Hersteller Dr. Martens hat beispielsweise seinen Flagship-Store in Camden mit einer Konzertbühne ausgestattet, auf der laufend Gigs gespielt werden. In Vitrinen werden ikonische Schuh-Designs neben historischen Musik-Artefakten präsentiert. So wird der Gründungsmythos der Marke und die Verbindung zur Musik- und Counterculture-Szene der 1960er authentisch nachgelebt.

Viele junge Menschen bezeichnen sich nicht mehr als Kunden eines Unternehmens, sondern als Fan der Marke. Zwei mögliche Stolpersteine für Unternehmen: Einerseits werden zunehmend jene Aktivitäten relevant, die mit dem Kerngeschäft eigentlich nichts mehr zu tun haben. Andererseits ist es oft gar nicht so leicht, in einer Welt, die sich immer schneller dreht, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die den veränderten Werten und Weltanschauungen der Verbraucher entspricht.

2. Smartness überall.

Schätzungen zufolge sind schon über 11 Milliarden Alltagsprodukte – so etwa Smart TVs oder intelligente Thermostate – im Internet of Things vernetzt. In den nächsten Jahren wird vor allem der smarte Kühlschrank dazu beitragen, dass diese Zahl immer weiter ansteigt. Er weiß genau, welche Produkte gerade lagernd sind und wann sie ablaufen. Gibt es Einkaufsbedarf, wird der Eigentümer am Smartphone kontaktiert – verknüpft mit Infos über die besten Deals und eventuelle Sonderangebote. Alternativ kann der Kühlschrank die Sache auch selbst in die Hand nehmen und die benötigten Lebensmittel direkt beim Lieferanten bestellen – echt praktisch!

Aber auch die Einkaufsregale werden zunehmend intelligenter: So hat die Firma Wasteless eine auf Machine Learning basierende Technologie entwickelt, die Preise für Lebensmittel laufend dynamisch anpasst. In den Algorithmus eingebunden sind etwa Ablaufdatum, Angebot und Nachfrage oder bevorstehende Sonn- und Feiertage. Das Resultat: Win-Win für alle. Kunden freuen sich über Schnäppchen, Unternehmen über wachsende Umsatzzahlen und die Umwelt über weniger Abfall.

3. Die Abo-Gesellschaft.

Abonnements werden immer beliebter. Wer jetzt aber nur an Netflix, Spotify & Co denkt, irrt. Laut einer McKinsey-Studie ist der Markt für Retail und Food-Abos regelrecht explodiert. Von 57 Millionen US-Dollar im Jahr 2010 hin zu 2,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017. Zu diesem Zeitpunkt haben bereits 15 Prozent aller Konsumenten ein Abo abgeschlossen. Dabei gibt es eigentlich nichts, was nicht geliefert wird: Rasierer und Bathroom-Essentials, die neuesten Fashion-Pieces, saisonales Gemüse oder individuell zusammengestellte Meal Prep Boxen. Die hippen Platzhirsche heißen Dollar Shave Club, Ipsy, JustFab Fashion oder Loot Crate. Aber man muss nicht in großen Maßstäben und globalen Unternehmen denken: Auch die wöchentlich gelieferte Biokiste vom Bauern ums Eck wird immer beliebter. Nach Erhebungen sind dabei zwei Werte für die Konsumenten ganz besonders wichtig: Der gewonnene Komfort und ein spürbarer Benefit, der sich aus der Personalisierung des Angebots ergibt. 2019 wird sich dieser Trend noch verstärken – McKinsey stellt der Branche eine exzellente Wachstumsprognose aus. Mehr über die Herausforderungen der Zustellung.

4. Bei dir oder bei mir?

Das angesagteste Restaurant? Im Jahr 2019 wird die Antwort auf diese Frage immer öfter lauten: Mein Wohnzimmer. Für viele Millennials wird das Leben in den Städten immer teurer – vor allem die Mieten setzen jedes Jahr zu neuen Höhenflügen an. Junge Menschen haben oft nicht mehr die Mittel einen Eating Out-Lifestyle aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig ist die aktuelle Generation nach einer Studie von Better Homes & Gardens so kochfreudig wie kaum eine davor. Die logische Konsequenz: Abende zuhause werden immer beliebter. Zahlreiche trendige Foodblogger leben vor, wie man das perfekte Menü zusammenstellt, um den Freundeskreis im heimeligen Wohnzimmer zu verwöhnen. Und Hand aufs Herz: Wer sitzt nach einem langen Arbeitstag zum Abendessen nicht auch gerne mal allein in der Jogginghose auf der Couch, während im Hintergrund Netflix flackert? Den Unkreativen unter uns hilft dabei das Angebot von Unternehmen wie hellofresh, die wöchentlich neue, saisonale Rezepte samt Zutaten ins Haus liefern – echt praktisch! Und wer abends wirklich gar keine Zeit oder Energie mehr hat, kann auch aufatmen: Convenience Food ist schon längst nicht mehr nur eine ungesunde Notlösung – das beweist etwa das neue Komfort-Food-Angebot von Ja! Natürlich.

5. Fleisch ist sowas von 2018.

Schonmal einen Nordpazifischen Ponti gegessen? Das mausähnliche Tier gräbt gerne Bauten neben Vulkanen, weshalb das Fleisch leicht geräuchert schmeckt. Oder einen Herbast? Praktischerweise sind sie schon mit Gewürzen anstelle von Fell bedeckt (aus Tarnungszwecken). Die Namen klingen unbekannt? Keine Sorge, es mangelt nicht an der Allgemeinbildung. Das alles sind erfundene Tiere aus der Feder von Marije Vogelzang vom Dutch Institute of Food & Design. Die niederländische Eating-Designerin liegt mit ihren Faked Meat Kreationen voll im Trend: Immer mehr Menschen konsumieren anstelle des „Real Meat“ Fleischersatzprodukte auf Soja-, Algen- oder Pilzbasis und verzichten vor allem aus Tierschutz- und Umweltgründen auf tierisches Fleisch.

 

Ebenso ein Durchbruch wird im kommenden Jahr bei In-vitro-Fleisch erwartet – in Laboren ohne Tierleid synthetisch hergestelltes Fleisch. 2019 nennen Branchenexperten und einschlägige Startups als das Jahr, in dem das künstlich erzeugte Fleisch endlich zu konkurrenzfähigen Preisen angeboten werden kann.

6. Eine Frage der Location.

Last but not least wird Geofencing im Jahr 2019 eine größere Rolle im Handel spielen. In aller Kürze: Mit der Technologie können Apps oder andere Programme bei Überschreiten geographischer Grenzen Push-Nachrichten senden. Als „Big Brother“ fungieren dabei etwa GPS, RFID, Bluetooth oder Wi-Fi. Bereits im Jahr 2014 war Macy’s einer der Pioniere und sandte über die hauseigene App Informationen zu Sonderangeboten und Rabatten aus, wenn Kunden mit ihren Smartphones in die Nähe von Stores kamen. Neu im Jahr 2019 ist, dass durch verbesserte Algorithmen die geographischen Daten vermehrt mit Verhaltensdaten der Nutzer kombiniert werden können, um auf diesem Weg weitaus individuellere und kraftvollere Werbebotschaften zu vermitteln. Kleinere Retailer ohne eigene App können dabei etwa auf das Angebot von Yelp zurückgreifen, um Geofencing in ihre Marketingstrategie zu implementieren.

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