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Put a label on it!

Eine Studie des Bundesamtes für Risikobewertung zeigt, dass der Ursprung des Label-Booms in den 80er & 90er Jahren zu finden ist: die Zeit der rebellischen Alternativ- und Ökobewegungen aus denen später dann eine (bewusst) grüne Partei entsteht.

Laut Studie gibt es in Deutschland mehr Qualitätssiegel als anderswo. Gerade im Lebensmittelbereich steigt die Kurve immer steiler nach oben. So gibt es inzwischen mehr als 1000 Produktsiegel und Kennzeichen wie Ökozertifikate aber auch Gütesiegel verschiedenster Art. Und hier ist das Problem: Viele Siegel aber keine Ahnung. Denn obwohl manche Labels gesetzlich vorgeschrieben sind, wie z.B. das CE-Zeichen für EU-Konformität, Recycling- und Entsorgungsinformationen, gibt es viele die sozusagen freiwillig auf den Produkten sind. Diese Labels werden teils von Behörden, teils von privaten Organisationen und Instituten überwacht. Jedoch kommen manche auch unkontrolliert in den Laden.

Durch die minimale gesetzliche Regulierung sind daher zu viele Labels im Umlauf, die beim Konsumenten Verwirrung stiften und in die Irre führen können. Eine Studie zeigt, dass ein frei erfundenes Siegel in allen untersuchten Kategorien (F&B, Körperpflege & Textil) öfter erkannt wurde als eines der existierenden Labels. Der Vergleich wurde mit bestehenden Labeln durchgeführt.

Jeder noch so informierte Konsument ist also leicht in die Irre zu führen bei so viel Auswahl.

Das Problem: Hersteller können sich Siegel auch selbst verleihen. Hinter jedem Zertifikat steckt ein anderer Standard, den man als Konsument fast unmöglich herausfinden kann. Schon gar nicht beim wöchentlichen Einkauf, wo alles doch eher schnell gehen muss. Mehr Labels = mehr Informationen über Produkte? Das sollte doch eigentlich zu mehr Macht im Konsum-Dschungel führen. Unser Zugang zu Informationen über gewisse Produkte ist vielleicht gestiegen, damit aber auch die Verwirrung.
Das Problem: es kommen jährlich neue Label dazu. Dabei sollte man eher die bereits bestehenden und geprüften Labels bekannter machen, damit der Verbraucher einen Maßstab, hat an den er sich halten kann. Denn oft wird der Einkauf vom guten oder schlechten Gewissen oder Gefühlen geleitet. So fand eine Studie heraus, dass die meisten Befragten den Preis für Bioschokolade als angemessen befanden, wenn er 42 Prozent über dem Premiumprodukt ohne Siegel lag.

Dies bestätigt auch einen Trend: Denn in Österreich sind, laut AMA-Haushaltspanel, Biolebensmittel im ersten Halbjahr 2020 in fast allen Produktgruppen gewachsen. Die eingekaufte Menge stieg gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 um 14,4 Prozent, der Wertzuwachs um ein Fünftel. Im Juni erreichte der Bioanteil erstmals einen zweistelligen Wert. Da wundert es nicht, dass gerade bei Bio-Produkten die einzelnen Labels um Anerkennung wetteifern, und es jährlich mehr werden.

Jeder Branche ihr Etikett

Und auch die Corona-Pandemie hat zur Dynamisierung und Veränderung des Kaufverhaltens beigetragen. Es schwappt uns sozusagen eine grüne Welle entgegen. Vor allem 3 Trends haben sich durch die Pandemie und den einhergehenden Lockdown verstärkt: Bio, Öko, Regional.

Vor allem das Unterstützen von heimischen und lokalen Betrieben und Produkten war und ist in dieser Zeit ein großes Anliegen vieler Konsument, das sich in ihrem Einkaufsverhalten widerspiegelt. So wird beispielsweise auch mehr bei heimischen Onlinehändlern eingekauft. Klimaschutz und Nachhaltigkeit spielen also immer stärker eine Rolle beim Einkauf. Das kann jedoch auch zu Greenwashing führen, denn obwohl „Bio“ und „Öko“ europaweit rechtlich geschützte Begriffe sind, ist dies bei „regional“ oder „klimaschonend“ nicht der Fall. Und seien wir mal ehrlich: wer hat die Begriffe nicht schon einmal verwechselt oder vertauscht. Ob Bio oder regional oder doch Öko, wer kennt sich da noch aus?

Labels können also schnell mal auf Bio oder regional verweisen, ohne beweisen zu müssen was dahintersteckt.  So ist beispielsweise das europäische Bio-Label eigentlich die niedrigste Eingangsstufe ist für Biosachen. In Deutschland allein gibt es inzwischen Biosiegel auf über 80.000 Produkte; Tendenz steigend. Und auch der Umsatz mit Biolebensmitteln hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt – auf ungefähr 10 Milliarden Euro!

Das Verrückte dabei ist, dass man oft vergisst was man mit einem solchen Kauf erreichen will. Sei es mehr Nachhaltigkeit oder die Unterstützung heimischer Produzenten: oft lässt man sich von schicken Labels blenden, wenn es eigentlich sinnvoller wäre bei lokalen Betrieben einzukaufen. Dort gibt es zwar keine Labels, dafür aber 100% Sicherheit wo das Produkt herstammt.

Doch was können wir konkret tun, um uns etwas mehr Übersicht zu verschaffen?

Inzwischen gibt es einige Apps, die Konsumenten helfen sich zu informieren und Übersicht zu bewahren –das ist jedoch zeitaufwändig. Durch das Scannen des Barcodes eines Produktes kann man sich über dessen Inhalte, sowie auch verschiedene Zertifizierungen informieren. Natürlich nimmt dies viel Zeit in Anspruch und nicht alle Produkte sind dort aufzufinden. Aber es bietet zumindest etwas Orientierung.

Man sollte sich also nicht zu sehr von Labels blenden lassen und sich eher bewusstwerden, was man mit seinem Einkaufsverhalten erreichen will. Nicht jedes Produkt braucht ein Label um auszudrücken, was in ihm steckt.