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Kreislaufwirtschaft und die Rolle des Handels

25. März 2020, Editorial

Das Konzept der „Kreislaufwirtschaft“ gibt es schon seit Jahren. Ressourcen-schonendes, umweltbewusstes Wirtschaften und ein bewusster Umgang mit Abfällen gehören immer mehr zum Alltag und zur Unternehmenskultur. Das Konzept wird auch stark von der EU Kommission gefördert und als Wirtschaftsmodell der Zukunft gefeiert. Doch was steckt dahinter und wie viel Nachhaltigkeit kann man durch diesen Einsatz bewirken?

Thema:

Aufmerksamkeit
Erdüberlastungstag
Kreislaufwirtschaft
minimalismus
recyling
reduce
reuse
Umweltschutz

Trendwort Kreislaufwirtschaft

Keine Angst, jetzt kommt kein Wirtschaftsbericht auf Sie zu. Aber das Thema Kreislaufwirtschaft beeinflusst uns alle. Wir erleben immer stärker, dass der Trend in unserer Gesellschaft in Richtung Aufmerksamkeit (Meditation), Umweltschutz (Fridays for Future) und Minimalismus (Mari Kondo) geht. Genau hier setzt das Konzept rund um die Kreislaufwirtschaft (oder Circular Economy) an.

Das Prinzip beruht auf der Idee einer vollkommen regenerativen, globalen Liefer- und Handelskette, die ohne den Verbrauch von endlichen Ressourcen auskommt. Damit trifft das Thema genau den Zeitgeist, denn wir verbrauchen weit mehr Ressourcen als wir zu Verfügung haben. Jedes Jahr errechnet das Global Footprint Network den „Erdüberlastungstag“. Dieser Tag rückt immer weiter vor, weil jedes Jahr mehr natürliche Ressourcen vom Menschen verbraucht werden, als der Planet zur Verfügung hat. Für Österreich ist der Erdüberlastungstag heuer am 8. April vorausgesagt. Ab dann leben wir quasi auf „Kredit“.

Das kann auf Dauer nicht gut gehen, daher sind Konzepte wie die Kreislaufwirtschaft wichtig. Wenn man auf das Gesamtbild der Kreislaufwirtschaft schaut, schneidet Österreich ziemlich schlecht ab: Nur 9 % der in der österreichischen Wirtschaft genutzten Materialien wurden zuvor bereits verwendet. Bis zur vollen Kreislaufwirtschaft in Österreich ist es noch ein weiter Weg. Doch was kann man tun? Ist das Thema nur wieder eine Modeerscheinung, die beim Greenwashing hilft? Wie kann man mit diesem Konzept gezielt an der Wertschöpfungskette ansetzen, um den Alltag Ressourcen-schonender zu gestalten?

Reduce,
Reuse,
Recycle

Über die letzten Jahre hinweg haben auch wir Konsumenten unser Verhalten stark verändert. Nachhaltigkeit im Alltag wird immer wichtiger und gefragter. Hier kann der Handel eine entscheidende Rolle spielen. Die Idee der Kreislaufwirtschaft ist vor allem interessant im Bereich der Lebensmittel, wo seit einiger Zeit verstärkt an Konzepten zur Vermeidung von Verpackungsmaterialien und Lebensmittelverschwendung gefeilt wird.

Ein populärer Lösungsansatz, um das im Alltag zu integrieren, ist der der „3 Rs“: Reduce, Reuse, Recycle.

Folgt man dieser Formel, lässt sich die Wiederverwendbarkeit von Lebensmitteln und Konsumgütern leicht umsetzen. Dabei benutzen wir bereits unbewusst einige Konzepte, die unter die Idee der Kreislaufwirtschaft fallen:

Vor allem das Thema Recycling hat sich in den letzten Jahren als Umwelt-Maßnahme etabliert und gehört inzwischen in jeden Haushalt wie das Amen in der Kirche. Deutschland ist in Europa mit einer Quote von 66 % Spitzenreiter beim Recycling, dicht gefolgt von Österreich mit 58 %. In Deutschland gibt es seit letztem Jahr sogar ein Verpackungsgesetz das u.a. erhöhte Recyclingsquoten vorschreibt. Hier tut sich also schon einiges. Und auch bei den Konsumenten stößt die Idee eines verpackungsfreien Einkaufs auf Zuspruch. Eine repräsentative Befragung von PwC in Deutschland hat herausgefunden, dass einer großen Mehrheit der Verbraucher die Nachhaltigkeit von Verpackungen wichtig ist.

Es geht allerdings nicht nur ums Recycling, sondern vor allem darum, wie man aus Gegenständen ein zweites Leben herausholen kann. Also auch mit kleineren Maßnahmen können wir aktiv die Kreislaufwirtschaft fördern und unseren Teil dazu beitragen. Ein Beispiel bietet die Musikbranche: Seit es Spotify, Deezer und co. gibt sind CDs zum größten Teil irrelevant geworden, weshalb hier bereits an Verpackungen eingespart werden konnte.

Und um beim Denglisch zu bleiben: Auch die oft angepriesene Sharing Economy, die sich immer stärker in unserer Gesellschaft durchsetzt, fügt sich in diesen Kreislauf ein. Durch das Teilen von Dienstleistungen und Produkten, kann deren Lebensdauer verlängert werden. Das Konzept vom kollektiven Konsum, dass vor allem durch die Generation Y gelebt wird mit Konzepten wie dem Carsharing oder Secondhandgeschäften, zeigt vor wie es geht. Viele der Produkte, die wir im alltäglichen Leben benutzen, haben eine viel zu kurze Lebensdauer und werden gerne durch neuere Modelle ersetzt.  Das ist vor allem der Fall bei Smartphones oder Autos. Letztere haben eine Lebensdauer von durchschnittlich 8 Jahren und werden oft nicht in ihrer vollen Kapazität ausgeschöpft. Ein 5-Sitzer wird beispielsweise durchschnittlich nur von anderthalb Personen genutzt. Hier kommen verstärkt Firmen wie Uber ins Spiel, die dieses Problem teilweise schon angehen mit ihrem Konzept von Fahrdienstleistungen.

 

Man sieht also: die Idee der Kreislaufwirtschaft lässt sich relativ easy in den Alltag integrieren und vieles davon machen wir bereits, ohne uns bewusst zu sein, dass wir damit einen Teil zur Kreislaufwirtschaft beitragen.

Die Zukunft ist kreisrund

Doch nicht nur die Umwelt freut sich an der Kreislaufwirtschaft, auch die Wirtschaft selbst profitiert. Durch die Maßnahmen, die umgesetzt werden, um z.B. nachhaltig Verpackungsmüll und die dadurch entstehenden Umwelteffekte zu reduzieren, werden bereits Kosten reduziert, weil u.a. weniger Material gebraucht wird. Und auch im Dienstleistungssektor hat das Konzept der Kreislaufwirtschaft großes Potenzial: so können regionale Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Europäische Kommission schätzt bereits, dass eine erfolgreiche Umsetzung der Kreislaufwirtschaft in der EU bis 2030, Ersparnisse von rund 600 Milliarden Euro und zwei Millionen neue Jobs mit sich bringen würde.

Die Idee hinter der Kreislaufwirtschaft ist also mehr als nur eine Trenderscheinung. Schon allein durch die verschiedenen Maßnahmen, die jetzt schon in unserem Alltag verankert sind, bringt das Konzept einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel mit sich und bietet dadurch nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial und ökologisch gesehen, große Chancen.

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