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I am Beethoven

17. Januar 2020, Editorial

Für Elise als Klingelton auf dem Handy, die Mondscheinsonate in der Hotelbar und die 9. Sinfonie wird gerne traditionell am Silvesterabend aufgeführt. Ludwig van Beethovens Musik hat sich bereits als zeitlos erwiesen. Selbst Menschen, die keinen direkten Zugang zu klassischer Musik haben, kennen das berühmte "Ta-Ta-Ta Taaaa"-Intro der "5. Sinfonie.

Thema:

Algorithmen
Klassik
künstliche Intelligenz
Marketingstreich
musik

Seine 10. konnte der Komponist allerdings Zeit seines Lebens nicht mehr abschließen – die berühmte „Unvollendete“. Das soll sich heuer im 250. Beethoven Jahr ändern – mithilfe eines Algorithmus, also Künstlicher Intelligenz (KI). „Deep Learning“ lautet das Zauberwort. Wissenschaftler rund um Projekt Beethovens 10. haben dazu ihre Künstliche Intelligenz zunächst einmal mit einer Menge Material gefüttert – damit sie lernt, wie Beethoven selbst und andere Komponisten seiner Zeit komponiert haben. So erkennt die KI wiederkehrende Verbindungen und beginnt – wie das neuronale Netzwerk im Gehirn – selbständig neue Verbindungen zu schaffen. Vergleichbar mit einem Musiker, der in einem Studio spielt und irgendwann auf eine passende Melodie stößt.

„Wir trainieren die Künstliche Intelligenz mit den Werken, die Ludwig van Beethoven selber geschrieben hat, mit Werken seiner Zeitgenossen, die er kannte. Und so lernt dieses künstliche, neuronale Netzwerk die Eigenheiten des Kompositionsstils von Ludwig van Beethoven.“ Matthias Röder, Projektleiter „Beethovens 10.“

Als Bedrohung für die Musikindustrie sehen Musikexperten und auch einige Musiker selbst die Software schon länger nicht mehr. Die US-amerikanische Sängerin Taryn Southern hat bereits 2017 die Musik ihres Albums „I am AI“ vollständig von künstlicher Intelligenz komponieren und produzieren lassen. Schon vorher gab es andere Versuche mit KI im Musikbusiness. Southern selbst begreife die Automatisierung nicht als Gefahr, sondern als Chance: Musiker verbrächten viel Zeit mit mühsamen, sich wiederholenden Aufgaben. So wie Computer schon jetzt viele dieser Aufgaben übernehmen, könne auch KI künftig zum Einsatz kommen und so neue Möglichkeiten und Arbeitsabläufe einführen, sogar neue Kreativität entfachen. Raum für Experimentiermöglichkeiten biete KI allemal.

Ähnlich sieht es auch Drew Silverstein, Komponist und Mitentwickler des Software Anbieters Amper Music: „Wir sehen das nicht als einen Ersatz für Musiker und Kreative, sondern als ein Werkzeug für eine bessere Zusammenarbeit, um jedem zu ermöglichen, einzigartige professionelle Musik zu machen.“ So könne jeder durch Musik eigene Ideen am besten ausdrücken. Oder, was in diesem Fall Beethoven selbst nicht mehr gelungen ist, vollenden.

Das erste Mal zu hören bekommt man die vollendete 10. Symphonie dann am 28. April in Bonn, dem Geburtsort des Komponisten. Aufgeführt von einem vollständigen Orchester. Initiiert hat das Ganze übrigens die Deutsche Telekom. Egal, ob man da von einem Genie – oder Marketingstreich sprechen kann, interessant klingt das Projekt auf jeden Fall.

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