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Female Retail

24. September 2020, Editorial

In Zeiten von Feminismus, Frauenquoten und Female Empowerment sind Frauen und die Thematik der Frauen am Arbeitsplatz immer stärker ins Licht gerückt. Aber dies ist ein Thema, dass es schon lange gibt, und welches alle Bereiche des Lebens und vor allem alle Branchen betrifft. Mehr Chancengleichheit, mehr Egalität, mehr Männer daheim … Vorschläge gibt es viele, an der Umsetzung hapert’s jedoch. Wie sieht die Situation jedoch im Handel aus?

Thema:

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Führungskräfte
Handel
Retail

Felicitas Austria?

In Österreich gibt es seit erstem Jänner 2018 eine Frauenquote. Diese beträgt für Aufsichtsräte 30%. Laut einer Studie von EY aber, wuchs in den Aufsichtsräten in Österreich im Vergleich zum Vorjahr der Frauenanteil 2018 lediglich von 18,8% auf 23,3% an. Da geht noch was! In Österreich lag der Gender Pay Gap laut Eurostat 2018 bei 19,6 Prozent. Daher deutlich über dem EU-Schnitt von 14,8 Prozent. In Österreich sind nur 9 von 186 börsennotierten Vorständen weiblich. Um gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit zu erreichen, hat Österreich noch einiges vor sich.

Trotz guter Ausbildung und hoher beruflicher Motivation werden Frauen in ihrer beruflichen Entwicklung immer noch nicht so unterstützt wie Ihre männlichen Kollegen. Eine Studie aus Schweden zeigt, dass weibliche WissenschaftlerInnen mit gleicher Produktivität wie ihre männlichen Kollegen von Gutachtern als nicht gleich kompetent eingeschätzt wurden. Doch wie sieht die Situation speziell im Handel aus? Ein Blick hierauf lohnt sich, denn der Handel zählt in Österreich mit über einer halben Million Beschäftigten zu den wichtigsten Arbeitgebern.

Female in Retail

Eines schon mal vorweg: Im Handel und Verkauf sind deutlich mehr Frauen als Männer tätig.

 

Im deutschen Handel sind rund drei Viertel der MitarbeiterInnen weiblich. Man könnte also davon ausgehen, dass es dementsprechend viele Frauen in Führungspositionen gibt. Doch schaut man auf die oberen Hierarchieebenen sieht man, dass auch hier keine gute Balance herrscht. Gerade auf Führungsebene von Handels- und Konsumgüterunternehmen sind Frauen noch immer deutlich unterrepräsentiert: Nur rund jede fünfte Führungsposition ist weiblich besetzt (22 Prozent). Im Topmanagement liegt der Frauenanteil sogar nur bei 14 Prozent. Interessant dabei: je größer ein Unternehmen, desto weniger Frauen sitzen in den Chefsesseln.

Es fehlt an weiblicher Führung im Handel. Obwohl der Frauenanteil im Handel bei fast 75 Prozent liegt, sind nur 27 Prozent in Führungspositionen. Außerdem bekommen Frauen nur rund 57 % des mittleren Einkommens der Männer und bekommen auch im Laufe des Berufslebens im Handel weitaus weniger Gehaltserhöhungen als Männer. Man sieht also: der Schrei nach mehr Chancengleichheit ist gerechtfertigt! Denn es gibt viel Potenzial, Frauen in dieser Branche zu fördern. Der Einzelhandel ist beispielsweise bei Mädchen mit Abstand der beliebteste Sektor für Lehrberufe. Und etwa zwei Drittel der im Einzelhandel beschäftigten Frauen sehen sich auch in Zukunft in dieser Position.

Hoch hinaus und noch weiter

Was auf Englisch gerne als Vorstoß durch das gläserne Dach genannt wird („break the glass ceiling“) ist nicht nur eine nette Vorstellung, sondern bringt ein wichtiges Thema zum Vorschein. Oft wird Frauen, von der Gesellschaft aber auch von sich selbst, eine unsichtbare Barriere aufgelegt was die Karriere betrifft. Und obwohl die Zahlen und derzeitige Ausgangslage etwas demotivierend erscheinen, gibt es auch viele tolle und spannende Initiativen, wie man Frauen im Handel stärker unterstützen und fördern kann.

So gibt es zum Beispiel das Netzwerk „Female in Retail“, ein Business-Netzwerk für Frauen im digitalen Handel, mit regelmäßigen Networking Events, die es Frauen aus der Branche erlauben sich gegenseitig auszutauschen und zu beraten. Und auch PwC bringt mit dem Frauennetzwerk „women&retail“ weibliche Führungskräfte zusammen und bietet ein Forum für den gegenseitigen Austausch über aktuelle Branchendiskussionen und fördert somit auch den Netzwerkaufbau.

 

Solche Plattformen sind überaus wichtig für weibliche Führungskräfte aus dem Handel, denn oft fehlen einem zwischen Karriere, Haushalt und Kindern einfach die Gelegenheiten, Geschäftsbeziehungen ausbauen, Kontakte zu knüpfen und sich zu aktuellen Trends in der Branche ungestört auszutauschen.

Und auch IKEA zeigt Engagement, um Frauen in seinem Unternehmen zu unterstützen. Gleichstellung gilt hier nämlich als Teil des Geschäftsmodells. 50,7% der Führungspositionen bei IKEA Deutschland sind mit Frauen besetzt. Und noch ein sehr wichtiger Aspekt: Karenz wird nicht als „Frauenthema“ abgestempelt, sondern als Thema gesehen, dass beide Seiten gleichzeitig betrifft. Das dies nicht nur heiße Luft ist, zeigt sich beispielsweise bei der Rekrutierung von neuen MitarbeiterInnen. Denn es muss nach Werten rekrutiert werden, damit sichergestellt wird, dass alle dahinterstehen. So gibt es auch Workshops und Vorträge, um diesen unbewussten Vorurteilen entgegenzutreten.

Wir sehen also: es gibt bereits gute Beispiele und Wege, wie man das Thema Frauengleichheit und Frauen im Handel konstruktiv angehen und Dinge umsetzen kann. Doch leider bleiben solche Beispiele oft Einzelfälle. Daher Ladies: traut euch was und keep on breaking the glass ceiling!

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