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Essen ist Pop

08. Februar 2018, Editorial

Als Foodie ist der Hunger nach Neuem ja immer groß. Da kommt 2018 gerade recht. Denn viele noch unbekannte Themen – darunter drei große Hits – prägen das heurige Jahr: hyperlocal, Smart Food und die Objektifizierung unseres Essens.

Thema:

BioHacking
hyperlocal
Lebensmittel voll auskosten
NeuroNutrition
objektifiziertes Essen
Pink Ananas
schwarzes Eis
Smart Food

Interessanterweise gilt: Je mehr wir von der Welt sehen, desto genauer wird unser Blick auf die Heimat. Und desto mehr beschäftigen wir uns mit dem, was sie uns bietet. Plötzlich sind es die kleinen Unterschiede, die uns auffallen und die uns mit unserem Zuhause verbinden. Das betrifft auch Nahrungsmittel und Essgewohnheiten. Darum steigt die Nachfrage nach regionalen Produkten ja auch seit Jahren. Darum bietet der Supermarkt um die Ecke Obst und Gemüse von ortsansässigen Bauern an. Und darum steht auch genau das auf der Karte von vielen Restaurants.

über
drüber
lokal

2018 ist nur lokal aber nicht mehr gut genug, es wird „hyperlocal“, also überdrüberlokal. Der Händler baut Obst und Gemüse gleich direkt im Geschäft an und im Restaurant sitzt man zwischen Kräutergarten und Obstbaum. Was lokal von hyperlokal unterscheidet, ist also das unmittelbare Erleben von säen und ernten. Da passt „sprouting“ dazu, noch so ein Food-Trend heuer. Bei diesem „Keimen“ von Samen wartet man auf den Moment, wo eine neue Pflanze entsteht. Das ist der sogenannte aktivierte Zustand, in dem Samen maximale Nährstoffe beinhalten – die Erntezeit. Das kann ich daheim machen, also – um wieder darauf zurückzukommen – hyperlokal. Hyperlokal ist daher eben auch meine Tomatenstaude auf der Küchenanrichte. Die befriedigt praktischerweise gleichzeitig den Wunsch nach Achtsamkeit, „mindfulness“.

Suppe aus Schweineschwänzchen? Heuer kommen wir auf den Geschmack.

Wir kaufen bewusst ein und greifen lieber zu Produkten, denen wir vertrauen. Dazu gehört auch, Lebensmittel voll auszukosten. Köche arbeiten „root to stem“ und „nose to tail“. Von der „Wurzel bis zum Strunk“ und von der „Nase bis zum Schwanz“ wird von Pflanzen und Tieren alles verarbeitet. Von roten Rüben kennt man eigentlich nur die Knolle, der Stiel und die Blätter sind aber ebenfalls essbar und voller Vitamine. Seltener verarbeitete Teile von Schwein, Rind und Huhn erhalten auch einen neuen Stellenwert.

Kochen mit Köpfchen

Weil wir aber nicht nur unsere Nahrung, sondern auch uns selbst optimieren möchten, wird’s am Mittagstisch wissenschaftlich. Die Disziplin der „NeuroNutrition“ untersucht den Einfluss von Ernährung auf das Gehirn. Was hilft schon ein gesunder Körper, wenn der Geist krank ist? Also suchen Forscher nach einer Formel, die unsere kognitiven Fähigkeiten positiv beeinflusst und Erkrankungen des Gehirns vorbeugt.

Jetzt wird der Körper gehackt

„BioHacking“, die andere neue Wissenschaft vom Essen, untersucht hingegen, welche Art der Ernährung für jeden Einzelnen optimal ist. Man „hackt“ den eigenen Körper, indem man Gewohnheiten ändert, um zu sehen, wie der Körper darauf reagiert. Zum Beispiel auf das Frühstück verzichten, das Abendessen verdoppeln und zu Mittag auf Milchprodukte verzichten. So nähert man sich Hack für Hack der individuellen, der perfekten Ernährung und bleibt damit: hoffentlich gesund. Oder man findet die Lebensmittel, die eine bereits bestehende Erkrankung positiv beeinflussen. Im Squirrel Restaurant in London wird das bereits beherzigt. Dort gibt’s die klassische Weinbegleitung oder die noch ungewöhnliche Ernährungsberatung. Hohes Cholesterin? Hm, dann empfehlen wir Menü eins. Wer sich den Gen-Check vom US-Start-up „Habit“ nach Hause liefern lässt, erhält auf Basis seiner DNA-Analyse sogar einen maßgeschneiderten Ernährungsplan. Quasi: „Iss was Gscheiteres.“

Nie ohne Internet

Schon einmal einen Einhorn-Frappuccino bestellt? Oder Donuts, die im Dunkeln leuchten? Was ist mit schwarzem Eis und schlumpfblauen Lattés? Die Omnipräsenz von Instagram spornt zu interessanten Kreationen an. Noch immer. Und immer weiter. Darum geht’s 2018 mehr als jemals zuvor darum, Essen zu objektifizieren. Soll heißen: Auf dem Foto muss es toll ausschauen. Leckeres Müsli war gestern. Heute ist das eine „breakfast bowl“. Wie die schmeckt? Egal. Sie hat schließlich 1.235 Likes bekommen. Der amerikanische Lebensmittelhersteller Del Monte hat – aus genau diesem Grund – eine Ananas mit pinkem Fruchtfleisch gezüchtet, die online sofort gehyped wurde. #millenialpink

Weniger verwunderlich ist da auch, dass es in unseren Tees bald bunt zugeht. Blumen wandeln sich von schlichter Dekoration zur Geheimzutat, die für aromatische Noten in Speisen und Getränken sorgt. Angeblich sollen frittierte Holunderblüten auch ganz fantastisch schmecken. Aber da müssen wir zuerst noch unsere BioHacking-Daten checken.

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