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Die Zukunft des Essens

17. Juli 2020, Editorial

Die Corona Pandemie hat unser Leben in allen Bereichen ziemlich auf den Kopf gestellt. Vor allem aber auch wenn es ums Essen geht!

Thema:

beyond meat
Foodie-Innovationen
Lebensmittelqualität
Lifestyle

Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie abhängig wir von internationalen Lieferketten sind und wie dankbar wir sein können, auch im Ausnahmezustand prall gefüllte Regale im Supermarkt zu haben und nicht hamstern zu müssen. Das Thema Essen und Nahrung ist schon länger ein zentraler Aspekt, der unsere Gesellschaft spaltet. Diäten, Vegetarier oder Veganer … Unser Ess-Verhalten und unser Umgang mit dem Thema werden derzeit hinterfragt wie nie. Doch was genau heißt das für die Zukunft? Müssen wir uns jetzt alle umstellen? Und welche Trends kommen demnächst auf uns zu?

Das Essen der Zukunft

Das Thema Essen und Lebensmittel sind ein überlebenswichtiger Aspekt unseres täglichen Lebens. Schließlich verbringen wir im Durchschnitt 5 Jahre unseres Lebens mit dem Essen; und Rest damit darüber nachzudenken, was wir denn als nächstes essen wollen. Essen ist also sowohl Nutzen als auch Genuss und darüber hinaus auch ein guter sozialer Indikator. Oft zeichnet sich an Essverhalten und Konsumation ab, wie es derzeit um die Gesellschaft steht. Und wir stehen vor einer riesigen Herausforderung: Angesichts der Tatsache, dass die Weltbevölkerung bis 2050 auf 9,1 Milliarden Menschen ansteigen wird, müssen wir unseren Umgang und Zugang zum Thema Nahrung überdenken. Um die steigende Nachfrage zu befriedigen, wird die Nahrungsmittelproduktion um 70% mehr ansteigen müssen. Dies steht im heftigen Kontrast zu unserem derzeitigen verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln: Denn ungefähr ein Drittel aller Lebensmittel wird weggeworfen, bevor sie gegessen werden. Das kann auf Dauer nicht gut gehen, wenn es in den nächsten Jahren Milliarden von Menschen zu füttern gilt.

Doch damit nicht genug, auch Faktoren wie Wetter, Umweltbedingungen und Erntepreise haben einen großen Einfluss darauf, wie wir in Zukunft essen, einkaufen und denken. Dies sind Themen die Forschern und Politikern schon länger bewusst sind, doch durch die Corona Krise ist nun noch einmal klarer geworden wie verwundbar und anfällig unser Ernährungssystem ist; von den Versorgungsketten bis hin zur Nahrungsmittelproduktion. Und die Folgen von Klimakrise und co könnten nur noch schlimmer ausfallen. Eine Bewusstseinsänderung ist daher wichtig und das Interesse an neuen Technologien und Formen der Erzeugung von Lebensmitteln wird daher unabdinglich sein. Bereits jetzt gibt es zwei interessante Trends, die unseren Umgang mit Essen in Zukunft weiter prägen werden.

Ernte (sei) Dank

Nachdem wir lange Zeit auf den sozialen Medien mit perfekten Avocado-Toasts und Matcha Lattes überflutet wurden, wird sich nun vieles zurück zur Regionalität und Unperfektheit besinnen. Vor allem das Thema Agrikultur und das Interesse daran wo unser Essen herkommt, rückt stärker in den Vordergrund. Eine ordentliche Portion Realness kommt auf dem Teller.

So hat beispielsweise die Rewe-Biomarke JaNatürlich! eine Kampagne zur Stärkung des Bewusstseins für mehr Bodengesundheit in Österreich gestartet. Ziel der „Gesunder Boden“ Initiative ist es, vor allem in Hinblick auf den Klimawandel die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass ein gesunder Boden ausschlaggebend für die Qualität der Lebensmittel ist und daher maßgeblich unsere Ernährung beeinflusst. Denn gerade für die nächsten Generationen, die möglichst auch in den Genuss von gesunden Lebensmitteln kommen wollen, ist das Thema Bodengesundheit wichtig.

Und auch die Bäckerei Öfferl schaut auf die Agrikultur. Mit der Installation „Zwei Quadratmeter Grund“ soll gezeigt werden, woher das Getreide für unser täglich Brot stammt und Bewusstsein für biodynamischen Anbau geschaffen werden. Denn in jedem Öfferl Brot stecken rund zwei Quadratmeter eines Getreidefeldes. Daher setzen die Bäcker auch auf den Erhalt biodynamischer Fläche, gerade auch für zukünftige Generationen und die Umwelt. Das Thema Grund und Boden ist also wichtiger als wir denken, da das Mehl für Brot eben maßgeblich die Qualität bestimmt und dafür sorgt, dass beim Frühstück am Morgen die Weckerl auf dem Tisch stehen.

Doch wie so oft, darf man bei all der Natürlichkeit auch die Technik nicht aus dem Auge lassen. Um die steigende Nahrungsmittel-Nachfrage zu bedienen, verlassen sich Landwirte zunehmend auf technologische Lösungen. Es gibt bereits Sensoren die dabei helfen Bereiche zu identifizieren, die Wasser oder Chemikalien benötigen, und gleichzeitig die Qualität der Pflanzen während der Ernte verfolgen. Die landwirtschaftlichen Betriebe der Zukunft ähneln zunehmend selbst Technologieunternehmen. Die Entwicklung dieser Art von Technologien kommt zu einem wichtigen Zeitpunkt, da der weltweite Bedarf an Nahrungsmitteln jährlich zunimmt.

Frisch vom Labor auf den Teller

Wir sehen also: das digitale Zeitalter und der Fortschritt der Technik wird in Zukunft auch stark unser Essverhalten informieren. Die Essens-Futurologin Morgaine Gaye meint sogar, dass sich bis 2028 alles, was wir bisher über Lebensmittel wissen, stark ändern wird und im Bereich der Lebensmittelinnovationen noch einiges auf uns zukommt. Burger aus dem Labor gibt es ja bereits. Vor allem beim Thema Fleisch erleben wir derzeit eine wahre Revolution. Denn keiner kommt mehr um den „Beyond Meat“ Hype drum herum. Wer kennt sie nicht? Die etwas gespenstisch wirkenden, auf pflanzlichen Proteinen basierenden Burger, die ihrem Fleisch-Pendant zum Verwechseln ähnlich sehen und schmecken. Und der Hype lebt, denn die Produkte werden bereits in 77.000 Geschäften in mehr als in 65 Ländern weltweit verkauft.

Dabei greifen die Hersteller ein wichtiges Thema auf, denn die Produkte richten sich an Verbraucher, die ihre Lieblingsspeisen auf eine ethischere und nachhaltigere Weise genießen wollen. Sorgen um Gesundheit, Tierschutz und Klima verstärken das Interesse an Alternativen zu Fleisch. Denn Kühe, wenn sie als ihr eigenes Land eingestuft würden, stoßen mehr Treibhausgase aus als jedes andere Land außer China! So wundert es nicht, dass der Umsatz mit pflanzlichen Lebensmitteln 2018 in den Vereinigten Staaten um 17 Prozent gestiegen ist. Die beliebten Fleischalternativen benötigen sogar 93% weniger Land als die herkömmliche Rindtierhaltung, und bringen so nicht nur den Landwirten höhere Erträge, sondern verringern auch die verheerenden Umweltauswirkungen des Fleischkonsums.

Hauptsache gschmackig!

Wir sehen also, dass das Thema Essen unsere Gesellschaft in mehreren Aspekten verändern wird. Vieles davon ist jedoch uns selbst geschuldet, denn der Klimawandel, die Überkonsumation und große Abhängigkeit der Nahrungsmittelindustrie werden uns in der Zukunft weiterhin beschäftigen und uns einige, bis dato undenkbare Foodie-Innovationen liefern.

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