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Ein paar alte Skier, eine Kiste mit Kleidung, die entweder zu groß oder zu klein ist, ein Mixer, den man nur einmal verwendet hat und Bücher, die man kein zweites Mal lesen wird. Die Liste an Dingen, die man sich irgendwann gekauft hat, aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr braucht, ist viel zu oft viel zu lang. Was bisher damit passiert ist: nicht viel. Das meiste davon ist schlicht und einfach im Müll gelandet.

Von 1995 bis 2015 ist etwa die Menge an Haushaltsmüll in Österreich kontinuierlich gestiegen – von 437 auf 564 Kilogramm pro Person. Dabei könnte man die Stereoanlage eigentlich reparieren lassen oder die zu enge Jeans weiterverkaufen. Und genau das passiert jetzt immer öfter. Nicht nur weil man sich so ein paar Euro dazuverdienen kann, sondern weil man gleichzeitig auch der Umwelt etwas Gutes tut. Steigt die Nachhaltigkeit, sinken die Müllberge, freuen sich Luft, Wasser und Wiese. Es sind aber nicht nur Privatpersonen, die erkannt haben, dass es Zeit ist, zu recyceln. Auch Unternehmen versuchen, aus der Kreislaufwirtschaft endlich eine runde Sache zu machen. Allen voran solche aus der Modeindustrie.

Ist das Mode oder kann das weg?

Fast Fashion war der Trend, der die letzten Jahre bestimmt hat. Günstig produzierte Kleidung, die günstig angeboten wird. Was offensichtlich keinen Wert hat, wurde dementsprechend behandelt und: einfach entsorgt. Jährlich wurde so Kleidung im Wert von 100 Milliarden Dollar weggeworfen, wobei fast die Hälfte davon kaum oder nie getragen wurde!

Altkleider recyclen und Gutschein erhalten

Große Ketten wie H&M und Zara, die zu den Begründern der schnellen Mode gehören, steuern jetzt dagegen. Oder zumindest: korrigieren ihren Kurs. Wer ungeliebte Kleidungsstücke zurück in eine H&M-Filiale bringt – übrigens egal welcher Marke –, erhält einen Gutschein für seinen nächsten Einkauf. H&M recycelt so durchschnittlich 16.000 Tonnen Altkleider pro Jahr. Bis 2020 sollen es weltweit sogar 25.000 Tonnen sein. Was gar nicht mehr zu verwenden ist, wird übrigens zu Putzlappen oder Faserkonfetti (Dämmmaterial) weiterverarbeitet.

Aber nicht immer muss man recyceln, was kaputt gegangen ist. Schöffel, ein deutscher Sportartikelhersteller, betreibt zum Beispiel seit einiger Zeit eine Service Factory. Dorthin können Kunden beschädigte Kleidung schicken, für 40 bis 60 Euro wird sie repariert. Die amerikanische Sportmarke Patagonia bietet sogar Anleitungen, wie man Kleidung selbst flicken kann und stellt auch einen eigenen Marktplatz für gebrauchte Ware zur Verfügung. Dass beides funktioniert, liegt auch daran, dass sowohl Schöffel als auch Patagonia in einem eher hohen Preissegment angesiedelt sind – und Kunden wissen, dass Qualität, wenn auch gebraucht, ihren Preis hat. Das zeigt sich beispielsweise auch immer wieder auf der österreichischen Online-Plattform willhaben, wo Designerstücke von Louis Vuitton oder Burberry vor allem vor Weihnachten hoch gehandelt werden. In einer Studie der Verkaufsplattform, die allerdings nicht repräsentativ ist, gab jeder Zweite an, er könne sich vorstellen, Secondhandprodukte zu verschenken. Fast 90 Prozent hätten sogar bereits selbst etwas Gebrauchtes erhalten und sich darüber gefreut.

Secondhandvorbild Skandinavien

In Schweden ist man, wie so oft, einen Schritt voraus. Dort wurde in der Nähe von Stockholm 2018 das erste Einkaufszentrum eröffnet, in dem ausschließlich recycelte oder nachhaltig produzierte Produkte verkauft werden. Neben Kleidung sind das Computer, Spielsachen, Fahrräder, Baustoffe … Alles, was die Schweden eben in die ReTuna Återbruksgalleria bringen und sich zur weiteren Verwendung eignet. Die Secondhand-Shops sind so erfolgreich, dass man bereits weitere Filialen plant. Und auch bei Ikea tut sich in Sachen Recycling einiges. Das Möbelhaus testet den An- und Verkauf gebrauchter Möbel, in England zusätzlich die Wiederverwertung von Textilien. In der Schweiz gibt es sogar die Möglichkeit, Möbel für einen bestimmten Zeitraum zu leasen. In Zukunft möchte Ikea nämlich nicht mehr nur blau-gelb, sondern auch endlich grün sein.

 

Elektronisches Edelmetall

Aber es sind eben nicht nur Unternehmen, die etwas unternehmen müssen. Kunden könnten auf bestimmte Anschaffungen oft auch verzichten. Auf das immer neueste Smartphone etwa. Denn besonders deutlich sichtbar wird unsere Wegwerfgesellschaft, wenn es um Technik geht. So werden pro Jahr mehr als 44 Millionen Tonnen Elektromüll – etwa sechs Kilo pro Person – entsorgt, nur ein Fünftel wird bisher gesammelt und wiederverwertet. Dabei sind viele Geräte noch funktionstüchtig und werden nur gegen vermeintlich bessere Modelle getauscht. Immerhin: Apple nimmt alte Geräte zurück (gegen Gutscheinkarten) und setzt sie wieder in Stand – bis zu 200 iPhones pro Stunde refurbishen die Mitarbeiter. Bei Saturn gibt es mittlerweile Sell-&-Go-Automaten, die alte Smartphones checken und dann einen Kaufpreis vorschlagen, der ebenfalls als Gutschein in jeder Filiale eingelöst werden kann.

Interessant ist Elektroschrott aber auch deshalb, weil in den Bauteilen oft wertvolles Rohmaterial verarbeitet wurde. Wie wertvoll, das zeigt eine Geschichte aus Japan, wo 2020 die Olympischen Spiele stattfinden. Das ganze Land wurde vor einiger Zeit aufgefordert, nicht mehr genutzte Elektronik zu sammeln und zu spenden und so gut wie alle Einwohner machten mit. Kleinste elektronische Bauteile, Handys und andere Geräte wurden schließlich geschmolzen und weiterverarbeitet – zu 2.500 Medaillen in Gold, Silber und Bronze. Und damit steht, lange vor dem ersten Wettkampf, ein Sieger schon heute fest.

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