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4-Tage-Woche

31. Januar 2020, Editorial

Die Digitalisierung führt dazu, dass wir immer erreichbar sind, von überall arbeiten und uns selten von unserem Arbeitsalltag distanzieren können. Ein hoher Workload, viel Druck und die Tatsache, dass man selten abschalten kann sind oft die Folgen. Es gibt aber auch enorm positive Seiten wie zum Beispiel flexibles Arbeiten, Home-Office und mehr Work-Life Balance. Um diese Möglichkeiten zu nutzen und die Herausforderungen zu minimieren, wird derzeit das Thema der Vier-Tage-Woche heiß diskutiert.

Thema:

4-Tage-Woche
flexibles Arbeiten
Home-Office
work-life balance

Langes Wochenende? Bitte, gerne!

Was früher hart umkämpft und von den Gewerkschaften eingefordert wurde, scheint heute ein Auslaufmodell zu sein: die 40-Stunden Woche. Nun fordern Wissenschaft und Politik die Reduktion der Arbeitszeit von fünf auf vier Tage und das bei gleichem Gehalt. Das alte Arbeitsmodell, mit dem unsere Großeltern und Eltern aufgewachsen sind, scheint ausgedient zu haben und den Erwartungen der heutigen Zeit nicht mehr zu entsprechen.

Die Generation Y aka Millenials, die jetzt in den Arbeitsmarkt kommt und das Arbeitsleben bestimmen wird, hat den Ruf eher faul und arbeitsscheu zu sein, und Pflichten am besten größtmöglich zu vermeiden. Da kommt das Konzept der 4-Tage-Woche den „digital natives“ gerade recht. Die tägliche Normalarbeitszeit kann in diesem Fall auf bis zu 10 Stunden ausgedehnt werden, ohne dass Überstunden anfallen. Außerdem müssen die 4 Tage nicht geblockt sein, es kann demnach auch ein arbeitsfreier Tag dazwischenliegen. Klingt fast zu schön um wahr zu sein, oder?

Take a break

Wir wussten es schon immer: Pausen sind gut! Mittlerweile gibt es auch viele Best-Practices, die überraschend gute Ergebnisse zeigen, ganz nach dem Motto: „Wenn du mehr erreichen willst, musst du mehr Pausen machen“. Schon im Sommer 2019 führte Microsoft Japan einen erfolgreichen 4-Tage-Woche-Test durch und berichtet über positive Outcomes: Die Produktivität der Beschäftigten stieg Microsoft zufolge um 40 Prozent.

Auch in Österreich wurde dieses Konzept vereinzelt schon eingeführt. Zum Beispiel wird in der Latschenbrennerei Unterweger, einem Naturkosmetik-Hersteller aus Tirol, seit dem 1. Oktober 2017 nur von Montag bis Donnerstag bei gleichem Gehalt gearbeitet. Durch diese Veränderung stiegen Produktivität und Umsatz im ersten halben Jahr merklich an. „Die Zeiten am Beginn und am Ende der Arbeit sind jene Zeiten, die am wenigsten produktiv sind. Aus diesem Grund haben wir versucht, die Tagesarbeitszeit zu erhöhen, um dann die Produktivität zu steigern“, verriet Chef Michael Unterweger im Sommer 2018 dem ORF. Auch die Wochenarbeitszeit verringert sich lediglich von 38 auf 36 Stunden, denn die Mitarbeiter bleiben an diesen vier Tagen je zwei Stunden länger.

Doch diese Beispiele sind keine Einzelfälle: Auch das Sägewerk Grafinger in Grünau, und die Buch- und Medienhandelskette Thalia haben bereits vor längerer Zeit auf flexiblere Arbeitszeiten umgestellt und mit dem Modell nach eigenen Angaben gute Erfahrungen gemacht. Fazit ist also: die Angestellten arbeiten vier Tage pro Woche ohne Lohnkürzungen und können ein dreitägiges Wochenende genießen. Und das bringt neben mehr Lebensqualität auch noch gesteigerten Umsatz und Produktivität.

Back to Reality

Was bei uns noch nach einer Fantasie-Welt klingt, könnte in Finnland bald bereits Realität werden. Finnlands neues Staatsoberhaupt Sanna Marin, mit 34 Jahren die jüngste Regierungschefin der Welt, erwähnte die Idee einer Vier-Tage-Woche. Ungewöhnlich ist jedoch, dass Marin auch den 6-Stunden-Tag als wichtig ansieht: “Eine 4-Tage-Woche und ein 6-Stunden-Arbeitstag. Warum sollte das nicht unser nächster Schritt sein? Sind acht Stunden wirklich die letzte Wahrheit? Ich glaube, die Menschen verdienen es, mehr Zeit mit ihrer Familie, mit ihren Lieben, mit ihren Hobbys und anderen Aspekten ihres Lebens zu verbringen – wie Kultur. Das könnte der nächste Schritt in unserem Arbeitsleben sein!“

Bei Finnlands Nachbarn Schweden funktioniert der 6-Stunden-Tag schon in vielen Bereichen. Göteborg, die zweitgrößte Stadt in Schweden, hat im städtischen Krankenhaus und im Altersheim die Arbeitszeiten auf sechs Stunden pro Tag gesenkt – bei vollem Gehalt. Das Ergebnis? Die MitarbeiterInnen waren glücklicher, gesünder und produktiver.
Auch in der schwedischen Tech-Branche funktioniert der 6-Stunden-Tag schon seit vielen Jahren. Allen voran zeigt der Automobilhersteller Toyota, wie das funktionieren kann. Bereits 2003 stellte das Werk in Göteborg auf kürzere Arbeitstage bei vollem Lohn um.

Ende gut alles gut?

Das Modell bietet sehr attraktive Elemente für beide Seiten! ArbeitnehmerInnen haben dadurch mehr Zeit zu ihrer eigenen Verfügung, sei es für Familie, Kinderbetreuung, Hobbys oder anderes. Der Arbeitgeber erhält regelmäßige 10-Stunden Arbeitstage, ohne dass Überstunden anfallen. Man muss aber bereit sein, eine kreative Dienstplangestaltung bzw. gute Organisation mitzubringen, damit dies so reibungslos laufen kann. Insgesamt bedeutet die 4-Tage-Woche also nur good news. Wer weiß, ob wir uns nicht auch bald freuen können, Teil dieses Konzepts zu werden und ein dreitägiges Wochenende genießen dürfen! Bis dahin müssen wir uns allerdings mit den Feiertagen zufriedengeben.

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