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„Hillary Clinton und ich haben beide Besseres zu tun gehabt, als Selfies miteinander zu machen.“

24. November 2016, Editorial

Thema:

Medienkompetenz
Social Media
USA
Wahlkampf

Vielmehr war es Yussi Pick’s Aufgabe Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren, besonders in den Social Media – Kanälen. Wir sprechen mit dem Kommunikationsberater über die Rolle von Social Media im US-Wahlkampf, warum die Gesellschaft mehr Medienkompetenz braucht und die Unterschiede zum österreichischen Wahlkampf.

Während uns in Österreich die Wahl zum Bundespräsidenten noch bevor steht, ist der Kampf ums Weiße Haus entschieden. Welche Rolle hat Social Media im US-Wahlkampf gespielt?
Eine große Rolle. Social Media ist angekommen.
Besonders für die Verbreitung von eigenen, selbst produzierten Inhalten der Parteien hat Social Media eine große Rolle gespielt. Der Aufwand dafür war enorm: Wir hatten ein eigenes Team für Videos, ein TV-Studio und einen eigenen Newsroom. Jede Organisation, NGO und natürlich auch Partei braucht mittlerweile eine eigene Medienproduktion – das ist die oberste Erkenntnis aus diesem Wahlkampf. Sie können sich nicht mehr darauf verlassen, dass Medien Nachrichten für sie produzieren. Sie müssen sich die Kompetenz von Film, Video, Schnitt, Text, Grafik usw. selbst ins Haus holen.

Social Media spielt auch im Wahlkampf eine große Rolle

Ohne auf Facebook, Twitter & Co aktiv zu sein kann man also keinen Wahlkampf mehr gewinnen?
Was heißt Wahlkampf? Wahlkampf heißt dort zu sein, wo die Menschen sind. Und die Menschen sind nun mal auf Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat usw. Und natürlich auch in anderen Medien: beim Billa hören sie Radio, am Abend sehen sie die ZIB im ORF, oder sie klicken auf standard.at. Also, man muss überall dort sein wo die Menschen sind, auch in den Social Media – Kanälen.

In einer neuen Medienwelt müssen wir selbst der Filter sein

Was ist ihrer Meinung nach die größte Herausforderung an Social Media – Wahlkämpfen?
Es ist nicht mehr klar was sind seriöse Quellen und was nicht. Wir müssen unterscheiden zwischen Tatsache/Wahrheit, Meinung und Falschdarstellung. In der alten Medienwelt gab (gibt) es dafür Filter: der Herausgeber, der Redakteur, der Moderator, die Journalistin…
In einer neuen Medienwelt müssen wir selbst dieser Filter sein. Als Nachrichtenkonsumenten müssen wir für uns entscheiden: welche Information will ich haben und welche nicht. Das benötigt Medienkompetenz.

Medienkompetenz kann man aber nicht bei jedem Menschen voraussetzen.
Das stimmt. Die kann man nicht voraussetzen, aber die muss man sich als Gesellschaft zum Ziel setzen. Und das gilt nicht nur in den USA, das gilt auch bei uns.

Dieses Ziel von einer medienkompetenten Gesellschaft klingt utopisch.
Blicken wir zurück: Vor 100 – 150 Jahren sind traditionelle Medien angekommen. Die ersten Zeitungen waren damals Pamphlete, darin wurden einseitige Meinungen veröffentlicht. Die Folge war eine kritische Haltung und Aufklärungswelle dank kompetenter Leser und Leserinnen.
Und genau das brauchen wir auch jetzt wieder: eine Aufklärungswelle, die Medienkompetenz fördert.

In wenigen Tagen wählen wir in Österreich einen neuen Präsidenten. Auch im österreichischen Wahlkampf spielt Social Media eine große Rolle. Gibt es da große Unterschiede zwischen dem österreichischen und dem US-Wahlkampf?
Da gibt es sehr große Unterschiede. Kurz gesagt: Die österreichischen Parteien sind noch immer sehr zögerlich im Bereich Social Media. Sie setzen noch immer auf Plakate, obwohl noch nie eine Wahl mit Plakatwerbung gewonnen wurde.
Besonders in einer Zeit in der die Parteimitgliedschaften zurückgehen muss ein moderner Wahlkampf eine Bewegung sein und dabei ist Social Media ein treibender Faktor!

Yussi Pick ist ein Kommunikationsberater und Social Media Experte aus Wien. Während der US Wahlen arbeitete er im Team von Hillary Clinton.

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